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#1

*Oneshot* Wahrheit

in Fanfiction deutsch 11.09.2012 00:49
von forever. • Besucher | 344 Beiträge

Titel: Wahrheit.
Autor: forever. (also ich)
Teile: Oneshot
Pairing: JJ/Emily --> friendship! <--
Rating: ab 16 (?)
Disclaimer: mir gehört nichts, also krieg ich auch nichts.
Warning: Triggerwarnung bzgl. Abtreibung + x

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Wahrheit.[/size]

"Die Wahrheit ist ein pfadloses Land."
[size=85]Krishnamurti


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„Emily?“
JJ klingelte erneut. Keine Reaktion.
„Emily? Ich bin’s, JJ. Bitte mach auf!“
Schritte. Die Tür wurde einen Spalt geöffnet.
„JJ?“ Dass die Brünette überrascht schien, war in Anbetracht der Uhrzeit kein Wunder, doch da war auch noch etwas anderes in ihrem Blick: Angst.

„Es ist nach elf!“
„Ich weiß.“
„Ist irgendwas mit Henry? Wo ist er?“
„Nein, mit ihm ist alles in Ordnung.“

Erleichtertes Seufzen, dann Stille.

„Dann haben wir also einen neuen Fall? Wann fliegen wir?“
„Es geht um keinen Fall, Em.“

Emily schien irritiert:
„Worum geht es dann?“

JJ seufzte. „Kann ich reinkommen?“
Anstelle einer Antwort trat Emily einen Schritt zurück und ließ ihre Freundin herein.
Im Wohnzimmer angekommen bedeutete sie ihr mit einer Geste hin zur Couch, sich zu setzen und nahm selbst in der am weitesten von JJ entfernten Ecke des Sofas Platz.

„Was ist los?“
„Das möchte ich von dir wissen! Was ist los mit dir?“
Emily zuckte innerlich zusammen. „Was soll mit mir sein?“
„Em, ....“

JJ versuchte, ihrer Freundin in die Augen zu sehen, doch diese starrte nur auf den Boden.
„Genau das meine ich! Du weichst mir aus – schon die ganze Woche!“

Schweigen.

„Emily... Bitte! Ich sehe doch, dass es dir nicht gut geht! Du.. du siehst aus, als hättest du die ganze Nacht geweint, und das nicht nur ein Mal!“

Die Brünette presste ihre Lippen zusammen und drehte ihr Gesicht zur Seite. Doch auch der Vorhang, den ihre offenen Haare bildeten, vermochte ihre Tränen nicht zu verstecken.

„Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht angreifen.“
Emily zuckte zusammen, als sie plötzlich JJs Hand auf ihrer spürte. Das sanfte Streicheln eines Daumens über ihren Handrücken fühlte sich richtig und falsch zugleich an. Einerseits war die Illusion, dass JJ für sie da sein, ihr helfen würde, schrecklich tröstlich, doch andererseits wusste sie, dass ihre Freundin sie verachten würde - mindestens so sehr, wie sich Emily selbst verachtete - wenn sie auch nur einen kleinen Teil der Wahrheit wüsste.

„Ich verstehe, dass dich Matts Tod aufgewühlt hat, dass du um ihn trauerst und das alles. Aber was ich nicht verstehe ist, warum du mir aus dem Weg gehst! Nur mir, keinem anderen aus dem Team! Was hab ich dir denn getan?“

Am brüchigen Klang ihrer Stimme bemerkte Emily, wie verletzt JJ war.
„Du?“, auch ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Du hast gar nichts getan! Ich...“
Sie schluckte. „Ich will nur nicht, dass du es weißt, okay?“

„Dass ich was weiß?“

Schweigen.

„Du kannst mir alles sagen, das weißt du, oder?“
Emilys Schnauben klang wie blanker Hohn. JJ zog ihre Hand zurück und versuchte zu verbergen, wie sehr sie Emilys Reaktion getroffen hatte.

„Wenn ich dir nicht genug bedeute, um dich mir anzuvertrauen, ...“, JJ schluckte, „...dann muss ich das akzeptieren. Aber sag mir wenigstens, warum du mich nicht einmal mehr ansehen kannst!“

Emily biss sich auf die Lippe, bis sie Blut schmeckte. Sie wollte schreien, doch ihr fehlte die Kraft.
„JJ, ...“ Sie räusperte sich, als sie merkte, wie tränenerstickt ihre Stimme war. „Ich kann dir das nicht sagen, weil du mir so viel bedeutest! Ich will nicht, .... ich will nicht, dass du mir nicht mehr in die Augen sehen kannst, wenn du weißt, was ich getan habe!“

Es ergab alles keinen Sinn. Solange JJ gar nicht wusste, was passiert war, musste Emily ihr doch nicht aus dem Weg gehen! Und worin unterschied sie sich in Emilys Augen vom Rest des Teams?

JJ stellte die Frage und konnte sehen, wie sehr Emily mit sich kämpfte.
„Du bist Mutter, JJ. Die anderen nicht. Und ... ich auch nicht, weil ich...“

Sie brach ab.
Schloss die Augen.
Wartete, ob JJ verstand.

„Du warst schwanger.“
Emily nickte, obwohl es eher eine Schlussfolgerung als eine Frage gewesen war.
„Ich hab es... ich hab mein Baby abtreiben lassen, JJ!“

Reflexartig fasste sich die frischgebackene Mutter an den Bauch, obwohl Henry mittlerweile seit vier Monaten auf der Welt war. Erinnerungen stürzten auf sie ein: Will, der ihr sofort einen Antrag gemacht hatte. Die Diskussionen um den Namen. Dass erste Mal, dass Henry – ihr Baby! – in ihrem Bauch getreten hatte. Die Qualen der Wehen. Henrys erste Schreie, als man ihn endlich auf die Welt geholt hatte. Der erste Kuss, den sie ihrem neugeborenen Sohn auf die verschorfte Stirn gedrückt hatte.

JJ merkte erst, dass sie die Luft angehalten hatte, als sie Emily sprechen hörte.

„Genau deswegen wollte ich nicht, dass du es weißt.“ Ihre Stimme zitterte ebenso sehr wie die Brünette selbst.

Unerträgliches Schweigen.

„Geh! Du musst nicht hier sein ... bei mir...“

JJ schüttelte den Kopf.
Sie spürte, dass da noch viel mehr war. Dinge, die endlich ausgesprochen werden mussten, obwohl JJ nicht sicher war, ob sie es ertragen würde, sie zu hören.

„Emily... ich werde jetzt nicht einfach gehen! Ich werde dir zuhören, und egal, was passiert ist oder was du getan hast: ich werde bei dir bleiben. Versprochen.“

Die Aufrichtigkeit in JJs Worten bewahrte Emily davor, zu zerbrechen.

„Ich war fünfzehn“, fing sie leise an und stockte.
JJ rutschte auf der Couch in Emilys Richtung, bis sie nah genug war, sie in den Arm zu nehmen. Es tat weh zu spüren, wie sehr sie zitterte.

„Em, ich bin da, okay?“ Die Angesprochene griff nach JJs Hand, als wolle sie sich dessen vergewissern, ehe sie fortfuhr: „Ich war fünfzehn, und meine Mutter hatte gerade einen Außenposten in Rom. Da habe ich dann Matt kennengelernt.“

Für einen Moment hoffte JJ, dass alles doch anders gelaufen war, als sie befürchtete, doch da sie Emily nicht unterbrechen wollte, fragte sie nur, was dann passiert war.

„Er hat mich mit auf irgendeine Party genommen. Wir mussten uns raus schleichen, meine Mutter hätte niemals erlaubt, dass ich da hin mit gehe. Es ... gab Unmengen an Alkohol. In Italien darf man schon mit achtzehn die richtig harten Sachen kaufen, und irgendjemand hatte für ein Wochenende das ganze Haus für sich alleine.“ Emily zögerte.
„Ich wollte dazugehören, deswegen hab ich auch was getrunken. Viel getrunken... Das nächste, was ich weiß ...“ Sie verstummte, doch auch nach einiger Zeit hatte sie nicht den Mut gefunden, weiterzusprechen.

„Es war nicht Matt, mit dem du geschlafen hast, oder?“

Emily drückte die Hand ihrer Freundin fester als es ihr wahrscheinlich bewusst war, doch auch als sich ihre Fingernägel in die Haut bohrten, verlor JJ kein Wort darüber. Sie wollte Emily etwas geben, woran sie sich festhalten konnte. Wenn der Preis dafür ein paar Kratzer auf ihrem Handrücken waren, konnte sie gut damit leben.

Schweigen, dann Kopfschütteln.

„Das nächste, woran ich mich erinnern kann, ... . Es sind nur Fetzen. Dazwischen ist alles schwarz.“

„Und was sind die Dinge, an die du dich erinnerst?
JJ war nicht sicher, ob sie die Antwort wirklich hören wollte, doch sie schuldete Emily diese Fragen.

Es dauerte wieder eine Weile, bis sie eine Antwort bekam.

„Ich liege auf irgendeinem Bett, aber ... nicht allein. Irgendjemand ist auf mir.“ Sie zitterte und krallte sich noch stärker an JJs Hand fest. „Dann war er plötzlich...“ Sie konnte es nicht aussprechen, doch JJ verstand.

„Brauchst du eine Pause?“

Kopfschütteln.

„Wenn ich jetzt aufhöre, dann ...“ Emily schluckte. „Bist du sicher, dass du...“

JJ nickte. „Ich bin für dich da, Emily. Egal, was du mir sagst.“


„Es hat so wehgetan. Ich hab geschrien, aber... Er hat weitergemacht, und die anderen haben nur gelacht...“

Die Anderen? JJ erstarrte.
Emily hatte den schockierten Blick ihrer Freundin offenbar bemerkt, denn ungefragt fuhr sie fort:

„Sie waren zu dritt. Sie haben es... alle gemacht. Matt hat mich gefunden... danach. Er musste mir versprechen, es niemandem zu erzählen.“

Sie blickte auf zu JJ, doch auch wenn sie es nicht schaffte, sie direkt anzusehen, hatte diese verstanden. „Von mir erfährt keiner was!“

Der Druck auf JJs Hand ließ nach.
Emily nickte dankbar.

„Matt war der einzige, der davon wusste. Und als er dann gestorben ist, ... . Es war einfach zu viel, alles ist wieder hochgekommen und ich wusste, dass ich das nicht allein schaffen würde. Ich hab Rossi von der Abtreibung erzählt. - Rossi! - Er hat gemerkt, dass da irgendwas war. Ich wollte unbedingt, dass in Matts Fall weiter ermittelt wird, also... Er hat keine Ahnung, was wirklich passiert ist. Aber das, was er weiß, hab ich ihm erzählt, ohne, dass er mich dazu drängen musste. Und das... hat mir wahnsinnig Angst gemacht. Deswegen bin ich dir aus dem Weg gegangen – weil ich wusste, dass ich es dir sonst sagen würde - alles...“

„Emily...“

„Es tut mir leid.“

„Warum? Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen musst!“

„...“

„Wirklich nicht.“

„Ich hab doch gesehen, wie sehr es dich verletzt hat, dass ich dir die ganze Zeit aus dem Weg gegangen bin – wäre das nicht so, wärst du doch gar nicht hergekommen! Und es tut mir leid, dass du das alles hören musstest.“

„Em, hör auf. Es bedeutet mir wirklich viel, dass du mir so sehr vertraust. Ehrlich.“

Und das entsprach auch der Wahrheit.
Reichte das allein nicht aus?

Musste sie zugeben, dass sie die letzten Tage nachts kein Auge zugemacht hatte, weil sie nicht wusste, was los war? Musste sie zugeben, dass sie die nächsten Tage ebenfalls nicht schlafen würde, weil sie es nun wusste?

JJ nahm ihre weinende Freundin in den Arm.
Es musste einfach reichen.

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Ein kleines Feedback wäre wirklich lieb! <3

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#2

RE: *Oneshot* Wahrheit

in Fanfiction deutsch 12.09.2012 13:33
von forever. • Besucher | 344 Beiträge

---> Info:
hab die Story nochmal ein bisschen überarbeitet und ein paar Kleinigkeiten verändert, aber nur an den Formulierungen...

Wird vielleicht gar nicht auffallen, aber bevor sich jemand wundert, dass er das doch anders in Erinnerung hatte, sag ich lieber Bescheid xD

LG

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