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Secret Love - Ep. 03x11 "Familientradition" Kap. 1-5

in Fanfiction deutsch 30.11.2008 21:39
von jennifer.jareau • 2.841 Beiträge

Diese FF wird eine Fortsetzung der Folge "Familientradition"/“Birthright“. Staffel 3, Folge 11

Titel: Secret Love
Pairing: JJ/Hotch (wat sonst)
Rating: 16
Disclaimer: mir gehört nix
Warning: nö
Beta: Betadank geht an Hanna (vielen Dank Süße )

Es geht los, aber der Folge, wo Hotch am Ende die Scheidungspapiere erhält.

Kapitel 1


Wieso war es soweit gekommen? Was war geschehen?
Er stand verzweifelt in dem Aufzug, drückte seinen Hinterkopf an das kalte, nackte Metall der Liftwände. Er schloss die Augen.
Haley wollte die Scheidung, sie meinte es tatsächlich ernst.
Er zermürbte sich den Kopf darüber, was er machen sollte, wie er reagieren sollte.
Er war nicht der Typ Mensch, der mit jemanden darüber reden konnte, er war nicht der Typ Mensch, der gut um Verzeihung bitten konnte. Aber jetzt musste er handeln, dass wusste er. Er musste zu Haley, die mit Jack bei ihrer Schwester wohnte, fahren, er musste mit ihr reden, versuchen, seine kleine, heile Welt wieder zu kitten. Sonst wäre es zu spät, vielleicht für immer.
Er kannte Haley seit 27 Jahren und manchmal, da hatte er das Gefühl, dass er sie kaum verstand. Besonders in der Zeit, bevor sie ihn verließ, da war sie ihm so erschreckend fremd geworden. Sie war nur noch schlecht drauf, er konnte nicht mehr mit ihr reden. Wenn er mal zuhause war, dann war sie unterwegs, anstatt die freie Zeit gemeinsam zu genießen.

Er atmete tief ein und aus, als die Lifttüren sich öffneten, und er in der großen Parkgarage des FBI stand. Er ging zu seinem Auto, setzte sich hinein und schloss die Tür. Er drückte seinen Rücken gegen die Lehne und schloss erneut die Augen. Dann hielt er einen Moment lang inne.
Vielleicht würde Haley zu ihm zurückkehren, wenn er seinen Job aufgeben würde?
Haley wollte doch einfach nur einen ganz normalen Ehemann und Vater für ihren Sohn, der wenigstens jeden Morgen und jeden Abend zu Hause war. Mehr verlangte sie gar nicht. Er konnte es ihr nicht bieten. In harten Zeiten, da sahen sie sich höchstens einmal in der Woche….
Er hatte das Gefühl, nicht mehr in den Spiegel gucken zu können, wenn er seinen Job aufgeben würde. Sein Team brauchte ihn, die BAU brauchte ihn, die Opfer brauchten ihn. Oder redete er sich das alles nur ein? Redete er sich alles nur schön? War er etwa zu feige, eine Entscheidung zu treffen? Hatte er Angst, er könne die Entscheidung bereuen? Was wäre, wenn er sich für die BAU entscheiden würde, für seinen Job, sein Team? Wie würde sein Leben verlaufen?
Er war schon fast 46 Jahre alt, da konnte man nicht mehr handeln, als wäre man gerade 20. Wenn er sich für seinen Job entscheiden würde, dann würde er Jack noch seltener sehen, er würde seinem geliebten Sohn sehr weh tun. Und Haley? Haley würde es sicherlich auch sehr zusetzen. Was war ihm Wichtiger? Die BAU oder seine Familie? Die Antwort fiel ihm schwer, aber warum? War er denn mit seiner Familie nicht richtig glücklich gewesen? Jack machte ihn glücklich, da war er sich sicher. Aber was war mit Haley? Liebte er sie überhaupt noch? Liebte sie ihn noch? Irgendwie hatten sie sich schon länger auseinander gelebt. Da er so selten zuhause war, lebten Haley und Jack ihr eigenes Leben. Haley hatte ihm schon öfters gesagt, dass sie sich wie eine Alleinerziehende fühlen würde. Er hatte sich entschuldigt. Aber ändern konnte er nichts daran. Er war immer unterwegs in sämtlichen Bundesstaaten, immer auf der Jagd nach Mördern, Vergewaltigern, Psychopaten, Kinderschändern… und wenn er mal nicht unterwegs war, sondern in Quantico, dann saß er dort oft bis abends um 9 oder 10 Uhr im Büro. Klar, es tat ihm leid, für seine kleine Familie, aber er konnte es nicht ändern. Oder war es nur so, dass er es nie für nötig gehalten hatte, etwas zu ändern? War er sich zu sicher? Hatte er tatsächlich geglaubt, dass Haley ewig so leben wollte?


Er seufzte, dann öffnete er die Augen, rappelte sich auf. Er drehte den Zündschlüssel, legte den ersten Gang ein und fuhr los.

An der ersten roten Ampel kehrten seine Gedanken wieder, dass er hier und heute eine Entscheidung fällen musste. Er sah nach rechts. Dort ging ein Junge spazieren, vielleicht 16 Jahre alt, neben ihm, ein älterer Herr. Sein Vater? Aaron schluckte.

Wie würde Jack ohne seinen Vater aufwachsen? Er würde ihm ewig Vorwürfe machen, würde es niemals verstehen. Irgendwann hätte er einen Stiefvater, was wäre, wenn dieser nicht gut zu Jack wäre? Das würde er sich niemals verzeihen können.
Wenn er sich heute für seine Familie entscheiden würde, dann müsste er sich versetzen lassen, müsste sein Team zurücklassen, müsste die Opfer zurücklassen. Stopp. Die Opfer? Irgendjemand würde seinen Posten im Team einnehmen. Den Opfern würde also trotzdem geholfen werden, mal mehr, mal weniger. Aber was würde sein Team dazu sagen, wenn er weg wäre? Zuerst ließ Elle sie im Stich, dann Gideon, und jetzt? Jetzt würde auch Aaron sein Team verlassen. Aber er hatte seine Entscheidung getroffen. Er würde hier und jetzt um Haley und Jack kämpfen. Ob er Haley noch liebte, dass wusste er nicht genau, aber er liebte Jack. Er liebte seinen kleinen Dreijährigen.


Durch das Hupen der hinteren Autos wurde er aus seinem Gedanken gerissen.
Er hob seinen rechten Arm und winkte dem Hintermann als Entschuldigung in den Rückspiegel.

Albert Einstein sagte einmal: Glück bedeutet, da zu sein, für anderen Menschen, zunächst aber für diejenigen, von deren Lächeln und Wohlsein das eigene Glück völlig abhängig ist.


Chap. 2

Haleys Schwester Jessica öffnete die Tür und sah Hotch überrascht an: “Aaron, ehm, was willst du denn hier?” Hotch sah sie verbittert an. “Was will ich wohl hier?”
Jessica wurde etwas nervös. “Eh, Haley ist nicht hier.” Hotch sah auf seine Uhr. Es war bereits 9 Uhr abends. “Sie ist nicht hier?” fragte er ungläubig. Sie verneinte. “Gut, dann lass mich zu Jack.” Er wollte eintreten, aber sie wies ihn ab. “Jessica, ich will ihn nur kurz sehen.” Sie seufzte schwer und sah ihn verbittert an. “Warte.” Dann schloss sie die Tür vor seiner Nase und verschwand wieder im Haus.
Nach einigen Minuten kam sie zurück. “Hier.” Sie hielt ihm eine Zettel hin, auf dem eine Adresse stand. Hotch sah sie verwirrt an. “Was soll ich damit?”
“Da findest du die Beiden. Es tut mir leid.” Hotch merkte, dass Jessica erleichtert schien.

Oh, I know that I've left you
In places of Despair
Oh, I know that I've loved you
So please thrown down your hair.

At night I dream without you
And hope I don't wake up
'cause waking up without you
Is like drinking from an empty Cup.

Damien Rice, Animals were gone


Nun stand er hier, vor dem Haus, indem er Haley und Jack finden sollte. Es war ein schönes, altes Haus mit einem großen, gepflegten Vorgarten.
Er saß in seinem Auto und traute sich nicht zu klingeln.
Warum wohnte Haley in diesem Haus? Sie konnte die Miete hierfür niemals alleine aufbringen.
Hotch schluckte verbittert.
Hatte er sie bereits verloren?
Er riss sich zusammen und stieg aus dem Auto. Jetzt zögerte er nicht mehr, sondern ging geradewegs auf das Haus zu. Er klopfte.
Haley öffnete lächelnd die Tür, doch als sie ihn sah, wurde sie sofort ernst. “Hey Aaron.”
Hotch sah sie misstrauisch an. “Was ist hier los? Warum wohnst du nicht mehr bei Jessica?”
Haley schluckte schwer und sah zu Boden. Dann sah Hotch hinter Haley einen Mann auftauchen, der anscheinend nur sehen wollte, wer da an der Türe war. “Haley, alles ok?”
Haley drehte ihren Kopf zu dem Mann herum, aber ohne ihren Blick von Hotch abzuwenden.
“Es ist okay, Steve, alles in Ordnung.”
Hotch schüttelte schockiert den Kopf. “Das ist nicht wahr, Haley. Das kannst du mir nicht antun. Wir sind 4 Monate getrennt und du vergnügst dich schon mit dem Nächsten?”
Haley lächelte verbittert. “Aaron, nur zur Information. Ich kenne Steve schon länger. Schon seit fast einem Jahr. Seine Tochter Kathrin und Jack sind in der gleichen Kindergartengruppe. Er ist seit längerem Witwer und wir haben uns immer gut verstanden und viel gemeinsam unternommen. Ich war es satt, immer alleine zum Spielplatz zu gehen, alleine in den Zoo zu fahren.”
Hotch fiel ihr ins Wort: “Hör auf, ich will das nicht hören. - Ich werde mich versetzen lassen. Für Euch. Ich verspreche es dir. Lass mich nicht alleine, tu mir das nicht an. Ich liebe euch.“
Haley lachte sarkastisch. “Aaron, nein, das tust du nicht. Wie oft hast du mir versprochen, dich um einen Schreibtisch-Posten zu bewerben? Wie oft hast du uns versprochen, öfters für uns da zu sein? Das Einzige, was dir wichtig ist, ist deine Arbeit. Du liebst es ein Held zu sein, aber Vater und Ehemann? Nein, das wirst du nie sein.”
Hotch war sprachlos, das erste Mal, soweit er sich erinnern konnte, war er sprachlos.
“Ich werde mich von dir scheiden lassen, Aaron. Daran wird sich nichts mehr ändern. Steve gibt mir ein Gefühl der Liebe und Wärme, dass du mir in den letzten Jahren nicht mehr geben konntest. Es tut mir leid.” Dann schenkte sie ihm einen mitleidigen Blick und schloss die Tür.

Die Verzweiflung schickt Gott uns nicht, um uns zu töten, sondern er schickt sie uns, um neues Leben in uns zu erwecken. Hermann Hesse, Schriftsteller


JJ saß auf der Dachterrasse ihrer Wohnung und dachte an Aaron. Er war so verzweifelt gewesen.
Sie war nicht mit den Anderen in die Cocktail-Bar gegangen. Sie hatte sich entschuldigt, gelogen, sie würde sich nicht gut fühlen. Aber es war ja keine wirkliche Lüge, denn sie fühlte sich tatsächlich mies. Sie konnte jetzt nicht feiern, und so tun, als wäre die Welt in Ordnung. Denn sie wusste, für einen Menschen, den sie sehr mochte, was sie das heute nicht. Im Gegenteil, es war wahrscheinlich einer der schlimmsten Tage in seinem Leben. Als sie so daran dachte, dass er traurig war und vermutlich ganz alleine mit Allem fertig werden musste, kullerte eine Träne über ihr Gesicht. Warum? Warum konnte er nicht einfach glücklich mit seiner kleinen Familie sein? Warum waren manche Jobs so gemacht, dass die, die sie ausführten, keinerlei oder kaum Privatleben hatten? Warum gab es nicht in jedem Staat mehrere Profiler, die die Polizei in ihrem Staat unterstützten? Dann wären sie immer nur in Virginia unterwegs gewesen und alles wäre perfekt. Aber dann gäbe es andere Probleme.
Ach, was sollte sie sich den Kopf darüber zermatern, über Dinge, die nicht sind und nie sein werden.
Sollte sie zu ihm fahren? Wie würde er reagieren, wenn sie plötzlich vor ihm stünde? Sie würde gerne einfach für ihn da sein? So, wie er für sie da war. Jederzeit.


Chap. 3


Rückblick: 8 Monate vorher:

JJ war in letzter Zeit so seltsam gut drauf, sie hatte ununterbrochen ein Lächeln auf den Lippen. Beim Akten- sortieren summte sie ein Lied vor sich hin und manchmal erwischte man sie dabei, wie sie an ihrem Schreibtisch einfach nur zufrieden vor sich hinträumte.

Das BAU-Team hatte gerade einen Fall gelöst und es war auf dem Flug nach Hause. Hotch konnte nicht schlafen, er freute sich so sehr auf zu Hause, auf Haley und Jack.
Als er sich im Flugzeug umsah, bemerkte er, dass nur JJ wach war und alle Anderen schliefen. Er musterte sie einen Augenblick. Auch Hotch war nicht entgangen, dass JJ neuerdings ziemlich gute Laune hatte. Zu gerne wollte er wissen, woran das liegen mochte.
Auf die Frage, was sich in JJ‘s Leben geändert hatte, bekamen die anderen Team- Mitglieder nur ein amüsantes Lächeln von ihr zur Antwort. Doch Hotch war sich sicher, dass sie ihm sagen würde, was los war.
Er stand auf und setzte sich zu ihr. “Hey, warum schläfst du nicht?”
“Ach, ich bin nicht müde. Irgendwie überdreht.” sagte sie.
Hotch beobachtete sie einen Augenblick. Als er JJ’s fragenden Gesichtsausdruck sah, schmunzelte er leicht. “Du bist glücklich, nicht wahr?”
JJ lächelte besonnen: “Oh ja. Das bin ich.”
“Darf ich so neugierig sein, und fragen, weshalb?”
Sie drehte sich herum, um nachzuschauen, ob auch wirklich alle anderen Kollegen im Reich der Träume waren.
Dann flüsterte sie Hotch zu: “Ja, du darfst, aber es bleibt unter uns, versprochen?”
Hotch grinste sie nickend an.
JJ überlegte kurz und verriet ihrem Teamleiter: “Ich habe jemanden kennen gelernt.”
Jetzt wurde Hotchs Lachen breiter. “Hm. Die Liebe deines Lebens?”
JJ seufzte: “Naja, schön wäre es. Das weiß man ja nicht gleich so genau. Aber er ähnelt meinem Traummann schon sehr.”
“Er ähnelt deinem Traummann?” Hotch zog die Augenbrauen hoch.
“Ach, weißt du, da gibt es jemanden, der ist einfach perfekt. Er wäre wie für mich gemacht. Leider ist dieser Mann aber verheiratet. Ich würde ihm niemals sagen, dass er meine große Liebe ist. Ich will ihn nicht in Verlegenheit bringen und ich möchte sein Leben, seine Liebe nicht zerstören.”
Hotch sah sie beeindruckt an. “Das finde ich richtig gut.”
JJ sah aus dem Fenster des Jets in den Sternenhimmel. “Ich habe versucht, ihn zu vergessen, diesen Verheirateten, aber es klappt nicht. Er ist immer da, in meinen Träumen, in meinen Gedanken, in meinem Herzen. Ich würde alles für ihn tun. Ich würde für ihn sterben.”
Hotch musste schlucken. Er spürte, wie er Mitleid für JJ empfand, aber was sollte er ihr raten? Was sollte er ihr sagen? Er beschloss, einfach nur zuzuhören und still zu sein.
JJ’s Blick löste sich vom Sternenzelt und sie sah Hotch wieder an. “Ich habe jetzt endlich jemanden kennen gelernt, der ihm ziemlich ähnelt. Nicht äußerlich, nein, da ist mein Marry-Man kaum zu toppen, aber er hat seine Eigenschaften, ein wenig von seinen lieben Charakterzügen.”
Hotch musste schmunzeln, als er das Wort “Marry-Man” vernahm.

Der französische Pilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupery sagte einmal:
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.


Einige Wochen später….

An diesem Tag stellte JJ das ganze Gegenteil von dem dar, was sie vorher gewesen war.
Sie war abwesend, teilweise unkonzentriert und traurig. Als Morgan sie scherzhaft darauf ansprach, was mit ihr los sei, flippte sie fast aus. Niemand traute sich recht auf sie zuzugehen.


Auch Hotch war aufgefallen, dass JJ heute außergewöhnlich launisch war. Er sorgte sich um sie und beschloss deshalb nach der Arbeit zu ihr zu fahren. Mit ihm würde sie reden, da war er sich sicher. Er rief bei Haley an und sagte ihr Bescheid, dass es später werden würde.

JJ lag auf ihrem Bett und weinte. Wieso hatte sie schon wieder jemand verlassen, den sie gerade anfing, in ihr Herz zu schließen? Wieso wurde sie wieder enttäuscht, wegen einer Sache, wofür sie nichts konnte. Und wieso, verdammt noch mal war ihr Traummann verheiratet? Wieso? Das Leben war so kompliziert.
Als es an JJ’s Wohnungstür klingelte, zuckte sie zusammen. Sie stand auf und lief erst ins Badezimmer, um sich das Gesicht mit kaltem Wasser zu waschen. Sie hoffte, dass der Besucher nur ein Bote oder Vertreter war, den sie an der Tür gleich abwimmeln konnte.
Bevor sie die Tür öffnete, atmete sie mit geschlossenen Augen noch einmal tief aus und ein.
“Eh… Hotch?” JJ war verwirrt, mit ihm hatte sie jetzt gar nicht gerechnet.
“Hey JJ, darf ich?” er deutete mit seiner Hand in ihre Wohnung.
“Ehm, ja, komm rein.” antwortete sie leise.
Hotch trat in ihr Appartement. “Was ist passiert?”
“Ach Hotch, es ist wirklich nicht wichtig.” bemerkte sie abwehrend.
“Doch, das ist es!”
“Ich verspreche dir, dass ich versuchen werde Privates und Beruf zu trennen und weiterhin gute Leistung erziele.”
Hotch lächelte sie verbittert an. “JJ, du glaubst, ich mache mir Sorgen um die Arbeit, die du machst?”
JJ sah zu Boden. “Hotch, was soll ich dir sagen? Er hat mich verlassen, er ist weg, so wie der Letzte auch, nur weil ich…..” Dann musste sie weinen. “Ach, ich kann doch nichts dafür.”
Hotch überlegte kurz, sie in den Arm zu nehmen, eigentlich war es nicht seine Art. Da sie sich nicht beruhigte, entschloss er sich, es zu tun. Er drückte sie einfach, ohne ein Wort zu sagen. Hauptsache, sie wusste, dass jemand für sie da war.
Nach einigen Minuten fing JJ sich wieder. “Hotch, fahr nach Hause. Deine Familie wartet auf dich.” Er sah sie mitleidig an. “Jack schläft schon und Haley weiß, dass ich etwas später komme.” Er führte sie an ihrem Arm zur Couch und setzte sich mit ihr hin. “Nun erzähl schon, was ist los? Was ist mit dir? Du sagtest, du kannst nichts dafür. Was meintest du?”
JJ sah ihn wehmütig an. Sollte sie ihm das wirklich erzählen?


Chap. 4

Eigentlich wusste JJ, dass sie mit Hotch über alles reden konnte. Er war ein guter Zuhörer, ein lieber Mensch, der immer eine Lösung hatte. Und vor allen Dingen, er machte sich niemals lustig über jemanden, auch nicht im Nachhinein.
Aber diesmal war es anders, es war persönlich, privat. Hotch spürte, dass JJ mit sich haderte. “Hey, wenn du es mir nicht sagen willst, ist das okay. Ich will dich nicht drängen. Aber was auch immer es ist, bleib nicht alleine damit. Rede mit jemand anders, wenn du mit mir nicht reden kannst oder willst, versprochen?”
JJ sah ihn verzweifelt an. “Ach Hotch. Natürlich möchte ich mit dir reden, aber es ist nicht so einfach, verstehst du?” Nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu: “Versprichst du mir, dass es ewig unter uns bleibt.”
Hotch sah sie ernst, aber liebevoll an: “JJ, habe ich jemals mein Wort nicht gehalten?”
“So war das nicht gemeint. Ich weiß, dass du vertrauenswürdig bist. Also,..” JJ seufzte hörbar. “…ich hatte mit 17 ein schlimmes Erlebnis.” Hotch bemerkte, dass JJ anfing zu zittern. “Hey, schsch… komm her.” Er legte seinen Arm um sie und streichelte ihre Schulter.
Er sprach ganz leise zu ihr. “Magst du darüber reden, JJ?”
Sie sah ihn hilflos an. “Ich habe noch nie darüber gesprochen, Hotch.”
Er biss sich auf die Unterlippe. Was sollte er sagen? Das es besser wäre, darüber zu reden, was auch immer es war, dass wusste sie als FBI Agentin schließlich selber.
Doch dann fing sie an zu reden: “Ich war 17. Ich hatte einen Jungen kennen gelernt, fand ihn sehr nett. Auf dem Schulfest habe ich ihm gesagt, dass ich ihn sehr mag. Er lachte mich aus. Es war so peinlich für mich.” JJ lächelte verbittert.
“Ich lief hinaus, in den Wald, ich habe geweint. Laut geweint. Ich dachte, er mag mich auch, weißt du? Vor Verzweiflung und Scham rannte ich immer tiefer in den Wald, plötzlich merkte ich, dass mir zwei ältere Jungs gefolgt waren. Ich dachte mir erst nichts dabei. Ich war immer eine Person, die an das Gute im Menschen glaubte.”
Hotch sah sie verständnisvoll nickend an.
“Doch diese Jungs waren nicht gut. Sie wollten mich. Und - sie bekamen mich. Ich war zu schwach um mich gegen sie zu wehren, was sollte ich denn tun? Hotch, ich war 17!!” Sie blickte ihn niedergeschmettert an. “Ich habe geschrieen, aber mich konnte dort niemand hören. Sie haben mich 2 Stunden lang ….” JJ stockte, es war ihr unmöglich es auszusprechen. Als sie in Tränen ausbrach, war Hotch wie gefesselt. Auch seine Augen füllten sich mit Tränen.
Jetzt war ihm klar, warum sie Angst vor den Wäldern hatte. Wenn Morgan das gewusst hätte, dann hätte er sie niemals damit aufgezogen. Wieso hatte er nie gemerkt, das JJ einmal einer sexuellen Tat zum Opfer gefallen war? Welche Art von Super Special - Profiler war er, der nicht merkte, dass seine Kollegin, seine rechte Hand, selbst ein Opfer war? Wie konnte das möglich sein, dass sie sich so verstellt hatte, all die Jahre? Sie sagte, sie hätte nie darüber gesprochen, hieße das, dass sie diese Kerle nie angezeigt hatte? Dass selbst ihre Mutter nichts davon wusste? Hieße das etwa, dass JJ alles 12 Jahre lang in sich hinein gefressen und verdrängt hatte? Hatte sie Alpträume deswegen? Weinte sie nachts deswegen?
Hotch spukten tausende Fragen im Kopf herum, aber er traute sich keine Einzige auszusprechen. Stattdessen nahm er sie nur sanft in den Arm und ließ sie weinen.
Als JJ sich einigermaßen gefangen hatte, blickte sie Hotch dankend an. “Entschuldige.”
“Wieso entschuldigst du dich? Sei froh, dass es raus ist.”
JJ’s Nase schnupfte vom weinen, außerdem hatte ein dicker Tränenkloß ihr den Hals zugeschnürt, weshalb es ihr schwer fiel zu reden.
“Hotch,” sie räusperte sich. “Du fragst dich jetzt sicher, was dieser Typ damit zu tun hatte, wegen dem ich heute schlecht drauf war?”
Aaron Hotchner sah sie schweigend an, seine Kollegin, seine Freundin, sie tat ihm so verdammt leid und er wusste nicht, was er sagen sollte. Er wollte ihr so gerne helfen.
“Ehrlich gesagt, ist es mir ziemlich peinlich.” Sie zog ihre Nase hoch.
“JJ, vor mir muss dir nichts peinlich sein.” Er lehnte seinen Kopf freundschaftlich an ihren.
Sie zitterte vor Nervosität, vor Aufregung. “Ich kann einfach niemandem vertrauen, den ich nicht richtig kenne, verstehst du? Ich konnte nicht…. Ehm, ich konnte einfach nicht mit ihm - schlafen.”
Hotch sah sie bestürzt an. “Deshalb ist er gegangen?”
“Nicht nur er, Hotch. Er war nicht der Erste. Aber, ich kann es ihnen nicht einmal übel nehmen, denn sie wussten doch nicht wieso ich….”
“JJ!” unterbrach Aaron sie. “Hör auf, dir die Schuld zu geben. Selbst, wenn sie nicht wussten, was mit dir los ist. Selbst wenn sie nicht wussten, warum du kein Vertrauen aufbauen kannst. Warum du vielleicht länger brauchst, als manche andere Frau. Selbst wenn….. Es ist kein Grund dich einfach sitzen zu lassen. Möchtest du meine ehrliche Meinung hören?” JJ nickte. Sie zitterte immer noch wie Espenlaub am ganzen Körper.
Hotch nahm ihre Hände in seine und sah ihr tief in die Augen. “JJ, wenn sie dir keine Zeit lassen, Vertrauen aufzubauen, dann ist das keine wahre Liebe. Sie sind es allesamt nicht wert, dass du um sie weinst, hörst du?”
JJ huschte ein kleines Lächeln übers Gesicht. “Danke, Hotch.”
“Nein, JJ, du musst mir nicht danken. Danke dir selber, dass du es endlich geschafft hast, mit jemanden darüber zu reden.”
“Du musst jetzt gehen, Hotch. Haley wartet sicher auf dich.”
“Versprich mir, dass du mich anrufst, wenn was ist! Egal wann, egal warum. Verstanden? Versprich es mir.”
JJ nickte mit geschlossenen Augen.
Eigentlich wollte er sie gar nicht alleine lassen, aber er hatte Haley erzählt, dass er zu JJ fahren wollte. Er konnte nicht hier bleiben, was würde seine Frau denken? Und erzählen wollte er Haley nichts von dem, was JJ ihm anvertraut hatte. Er war nicht nur ihr Teamleiter, nein, er war mehr. Er war ihr Freund. Und er würde JJ um keinen Preis der Welt enttäuschen, deshalb würde er selbst Haley niemals davon berichten.
“Kann ich dich denn alleine lassen?” fragte er vorsichtig. “Du machst mir doch keine Dummheiten?” Die Besorgnis war seiner Stimme anzuhören.
JJ schüttelte den Kopf. “Nein, Hotch. Sicher nicht. Dann hätte ich diese Dummheit längst begangen. Ich lebe…. seit 12 Jahren damit. Ich komme klar.”
Hotch stand auf und ging zur Tür, JJ folgte ihm, immer noch leicht zitternd.
“Hey, du wirst dich jetzt hinlegen und an etwas Schönes denken, ja?” Hotch überlegte einen Augenblick, ihr zu sagen, sie solle an ihren so genannten “Marry-Man” denken, doch er ließ es.
Bevor er die Tür öffnete, drehte er sich noch einmal kurz herum: “Ach JJ, es erfüllt mich mit Stolz, dass ich es war, dem du das anvertraut hast, was dir schier unmöglich erschien, jemals auszusprechen.” Er drückte sie noch einmal kurz und flüsterte ihr ins Ohr, dass er immer für sie da sei.

Ein guter Freund stattet einen mit tausend Augen aus, wie die Göttin Indra. Durch seine Freunde lebt man ungezählte Leben. Man sieht in anderen Dimensionen. Man lebt, das Obere nach unten und das Innere nach außen gekehrt. Man ist niemals allein.
Henry Miller, amerik. Schriftsteller



Chap. 5

Hotch lag auf dem Liegestuhl in seinem Garten und starrte in den blauen Himmel. Er wollte einfach nur entspannen, loslassen, einen schönen Sonntag mit seiner Familie verbringen und nicht an irgendwelche Fälle denken. Keine Profile erstellen, keine Täter jagen, keine Verhöre führen.
Jack saß ganz in seiner Nähe im Planschbecken und spielte. Hotch lächelte zufrieden, als er aus dem Haus das Geräusch des Mixers vernahm. Haley war dabei, Sahne, für den frisch gebackenen Kuchen zu schlagen. Er freute sich auf Apfelkuchen und leckeren Kaffee.
Als er daran denken musste, was JJ ihm gestern Abend erzählt hatte, verfinsterte sich sein Blick. Er hatte die halbe Nacht nicht schlafen können, weil es ihm einfach nicht aus dem Kopf ging. Klar, er hatte viel gesehen, viel erlebt in seinem Job. Aber diesmal betraf es seine Kollegin, eine gute Freundin. Er mochte JJ sehr. Ihre Art, Dinge zu sehen, ihre fröhliche Natur, ihre diplomatische Weise mit unangenehmen Themen umzugehen, aber auf der anderen Seite auch zu sagen, wenn ihr etwas nicht passte oder sie mit etwas nicht klar kam. Sie war eine wirklich gute Freundin und er fühlte, dass er sich immer mehr um sie sorgte.
Ein schlechtes Gewissen machte sich breit, als er daran dachte, dass er sie gestern einfach so zurückgelassen hatte.
Er hatte sie allein gelassen mit ihren Sorgen, ihrer Trauer. Wie sie wohl heute Nacht geschlafen hatte? Hatte sie vielleicht noch mehr geweint? Hatte sie es bereut, ihm alles erzählt zu haben? Oder war sie froh, dass es endlich jemand wusste? Je mehr Hotch darüber nachdachte, was in JJ vorging, desto unruhiger wurde er. Er stand auf und ging ins Haus.

Haleys Lächeln verschwand schnell, als sie seinen besorgten Blick sah. “Aaron, was ist los?”
“Ich sagte dir doch, dass ich gestern bei JJ war?!”
Haley sah ihn liebevoll an: “Ja, das hast du. Ist was mit ihr?”
Hotch überlegte einen Augenblick, dann sah er ihr tief in die Augen. “Liebling, JJ hat große Probleme und ich muss ihr helfen.”
“Was hat sie denn?” fragte Haley mit hochgezogenen Augenbrauen.
Hotch schüttelte energisch den Kopf. “Haley, das kann ich dir leider nicht sagen. Ich habe mein Versprechen abgegeben.” nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: “Ich werde zu JJ fahren. Jetzt.” Hotch spürte, wie Haley wütend wurde und bevor sie etwas sagen wollte, versuchte er sie zu besänftigen: “Nur 2 Stunden. Bitte! - Schatz, wenn du für heute Abend einen Babysitter hast, dann gehen wir ins ‘Trashers’, nur wir Beide. Versprochen!”
Haley sah ihn seufzend an, aber als er ihr anbot, mit ihr in ihr Lieblings-Restaurant zu gehen, beschloss sie nachzugeben. Aaron würde sowieso nicht zuhause bleiben. Wenn er sich vorgenommen hatte, JJ zu helfen, dann würde er das durchziehen, ob Haley nun wollte oder nicht.


“Hotch? Was machst du denn hier?” fragte JJ überrascht.
“Hey, wie geht es Dir?” Er deutet mit seiner Hand in ihre Wohnung. “Darf ich?”
“Ehm… klar, natürlich. Komm rein.” JJ beobachtete Hotch argwöhnisch. Was wollte er hier? Wollte er mit ihr über die gestrige Unterhaltung sprechen? Wollte er Einzelheiten wissen? Wollte er sie zum Psychologen schicken?
Aaron Hotchner dachte einen Moment lang nach, dann fragte er leise: “Könnten wir,” er räusperte sich. “Könnten wir noch mal darüber reden? Ich meine, über…”
JJ nickte: “Ja, Hotch. Ich mach uns einen Kaffee. Das Wetter ist schön. Gehen wir auf die Terrasse?” Hotch lächelte nickend und folgte ihr auf die großzügige Dachterrasse. Von hier aus konnte man über ganz Washington D. C. schauen. Die Skyline D.C.’s wirkte makellos, wie auf einer Postkarte. Das traumhafte Wetter trug einiges dazu bei.
Hotch war erstaunt. “Wow. Ich wusste gar nicht, dass das Stadtleben so schön sein kann.” Jenny schmunzelte. “Ich liebe meine Wohnung, Hotch. Ich habe es nie bereut, sie gekauft zu haben.” Hotchner setzte sich schmunzelnd neben JJ auf einen der Gartenstühle.
“Sag mal, wird Haley nicht langsam sauer, weil du schon wieder hier bist?” lächelte sie ihren Teamleiter an. Hotch grinste schief: “Lass das mal meine Sorge sein.”
“Du willst bestimmt wissen, wieso ich damals nicht zur Polizei gegangen bin?” fragte JJ, während sie an ihrem Kaffee nippte. Hotch fuhr sich mit der Hand durch sein Haar und sah sie ernst an. Sie wusste genau, was er wollte.
“Hotch, ich habe mich geschämt. Ich wollte nicht darüber reden, nicht darüber nachdenken, ich wollte es einfach nur…… vergessen.“ bemerkte sie wehmütig.
“Kennst du ihre Namen?” fragte Hotch zielgerecht.
JJ sah ihn sprachlos an. Ihr Blick schweifte über die Stadt. Sie kniff ihre Augen zusammen, als sie in die Sonne blickte. “Warum willst du das wissen?”
Hotch stand auf und ging ein paar Schritte. Dann musterte er sie eindringlich. “Ich will nur auf Nummer Sicher gehen. Ich will sie überprüfen, um auszuschließen, dass sie es nicht weitergeführt haben.” JJ sah ihn entsetzt an. “Du glaubst… sie ….haben noch mehr?” Hotch schluckte schwer: “JJ, wenn man so was einmal macht, dann kann man es immer wieder tun. Wer einmal jemanden ermordet, der tötet wieder. Wer einmal seine sexuelle Lust mit Gewalt befriedigt, der findet Gefallen daran, und dieses Verlangen danach…. Das hört nie auf.”
Hotch spürte, wie verzweifelt JJ war. “Was ist, wenn sie noch andere….? Ich könnte mir das nie verzeihen.” Wieder füllten Tränen ihre Augen. Hotch setzte sich wieder neben sie und nahm zärtlich ihre Hand.
“JJ, bitte. Mach dir keine Vorwürfe. Das will ich nicht. Hörst du? Du hast mit 17 so gehandelt, wie du es für richtig hieltst. Heute würdest du es anders machen, da bin ich mir sicher. Also, gib dir nicht die Schuld.”
JJ schloss seufzend ihre Augen: “Also gut. Ich kenne ihre Namen, denn sie wohnten in unserem Dorf. Nach dem, was passiert war, habe ich sie nicht mehr gesehen.“ Sie atmete tief aus und ein: “Alan Sheppard und Jason Carter. Aber Hotch….” sie musterte ihn kritisch. “Sieh einfach nur nach ihrem Werdegang. Und dann tu mir einen Gefallen, wenn weiter nichts ist, was ich hoffe, dann lass es auf sich beruhen, ja? Ich möchte die Sache von damals nicht wieder aufrollen.”
Hotch lächelte bitter: “Ich verspreche es dir.”
“Gut, möchtest du noch Kaffee?” Ohne Hotchs Antwort abzuwarten, goss sie ihm noch eine Tasse ein.
Hotch atmete die frische Luft tief aus und ein. “Sag mal, was ist mit diesem Marry Man?” grinste er schief.
JJ verstand nicht recht. “Was meinst du? Was soll mit ihm sein?”
“Naja, denkst du oft an ihn?”
JJ machte ein verträumtes Gesicht. “Ja, Hotch. Ich denke ständig an ihn. Aber ich werde niemals mit ihm zusammen sein.”
“Aber in deinen Träumen, deinen Gedanken, da liebt er dich auch, oder?”
JJ schluckte wehmütig. Sie starrte in ihre Kaffeetasse. Dann sah sie Hotch wieder an und lächelte verbittert. “Ja, in meinen Gedanken, da liebt er mich auch. Aber was nützt mir das?”
Hotch nahm JJ’s Hände in seine und drückte sie fest. “JJ, kennst du den Kaiser Marc Aurel?“ Sie schüttelte den Kopf.
“Er sagte einmal: Das Glück im Leben hängt von den schönen Gedanken ab, die man hat.”

.......TBC??

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