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#1

Challenge Januar

in Archiv 06.01.2010 22:54
von Ran • Besucher | 901 Beiträge

Hallo ihr Lieben,

passend zum neuen Jahr gibt es auch wieder eine neue Challenge. Ein wenig später dieses Mal und ich hoffe ihr verzeiht es mir.
Das Thema kommt dieses mal von MrsAaronH und lautet wie folgt:

Die Story muss beginnen mit diesen Sätzen: "Er hätte es wissen müssen. Er war einer der besten Profiler, aber er hatte es nicht kommen sehen. Jetzt war alles zu spät."

Ich dachte mir, dass das mal was anderes ist und ich hoffe wie immer auf Rege Teilnahme. Der Einsendeschluss ist der 06. Februar. Damit müsste jeder der mitmachen will genug Zeit haben auch was zu schreiben. ^^

Wir freuen uns auf eure Geschichten
Euer Team

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#2

RE: Challenge Januar

in Archiv 07.01.2010 20:14
von MrsAaronH • Besucher | 3.877 Beiträge

Darf ich denn auch mitmachen? Da die Challenge meine Idee ist, hab ich natürlich schon ne ganze Weile ne Idee im Kopf

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#3

RE: Challenge Januar

in Archiv 08.01.2010 19:06
von jennifer.jareau • 2.841 Beiträge

Von mir aus darfst Du trotzdem mitmachen, seit wann du die Idee hast ist doch egal. :)

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#4

RE: Challenge Januar

in Archiv 12.01.2010 22:08
von MrsAaronH • Besucher | 3.877 Beiträge

na dann werd ich mich mal ans tippen machen

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#5

RE: Challenge Januar

in Archiv 27.01.2010 11:24
von Alisha • Besucher | 132 Beiträge

Hallo,

uff, ich trau mich endlich mal.
Diese Geschichte ist meine erste Fanfiction und als ich sie vor zwei Wochen geschrieben habe, fand ich sie noch ganz gut.
Als ich sie eben nochmal gelesen habe, fand ich sie furchtbar.

Also, dann gehts mal los:

Verzweiflung
Titel: Verzweiflung
Autorin: Alisha
Pairing: Rossi / Emily (Friendship, also kein richtiges Pairing)
Rating: Angst / Friendship
Warning: Meine erste richtige Fanfiction, hab vorher nur für mich selber geschrieben. Vorsicht;-))
AN: Post 4x17 (Besessen/Demonology)
Disclaimer: CM und seine Charaktere gehören leider nicht mir. Ich verspreche, die Geschichte nicht gewinnbringend zu nutzen. Das einzige was mir gehört, ist die Idee für diese Geschichte.


Er hätte es wissen müssen. Er war einer der besten Profiler, aber er hatte es nicht kommen sehen. Jetzt war alles zu spät.

In sich zusammengesunken saß David Rossi auf dem Stuhl neben ihrem Krankenbett und lauschte dem leisen Piepen der vielen medizinischen Instrumente, an die sie angeschlossen war.
Wieder und wieder fragte er sich, weshalb er es nicht hatte kommen sehen. Was nützte es einem, ein guter Profiler zu sein, wenn man noch nicht einmal für seine Freunde da sein konnte, weil man einfach nicht mitbekam, wie schlecht es ihnen wirklich ging.
Verdammt, er hatte gerade in letzter Zeit viel Zeit mit ihr verbracht, er hätte doch das wahre Ausmaß ihrer Verzweiflung bemerken müssen.

Am Abend zuvor hatte er sie - nach der Festnahme des Priesters und der Rettung Johns – noch gefragt, ob er sie irgendwo absetzen solle. Doch sie wollte lieber laufen. Er hatte das verstanden.
Sie wollte den Kopf frei bekommen. Doch offensichtlich war ihr das nicht gelungen.

Am Morgen war sie nicht zur Arbeit erschienen. Hotch hatte mehrmals angerufen, ohne Erfolg. JJ hatte angerufen, ebenfalls ohne Erfolg. Dave hatte angerufen. Sie war nichts ans Telefon gegangen, auch nicht an ihr Handy.

Er hatte angefangen, sich Sorgen zu machen und Hotch hatte schließlich zugestimmt und ihn zu ihr fahren lassen.
Er hatte damit gerechnet, dass sie am Abend zuvor vielleicht probiert hatte, ihren Kummer im Alkohol zu ersäufen und nun mit einem Kater im Bett lag. Er hatte damit gerechnet, dass sie krank geworden war. Er hatte mit allem gerechnet, aber damit nicht.

Ihr Wagen stand vor der Tür des Apartmenthauses, doch sie öffnete nicht. Eine Nachbarin teilte ihm mit, dass sie gesehen hatte, wie sie gestern Abend sehr spät nach Hause gekommen war. Heute morgen hatte sie jedoch noch niemand gesehen.

Er verschaffte sich Einlass in ihr Apartment, mit gezogener Waffe und von Raum zu Raum schleichend. Denn irgendetwas stimmte hier nicht, etwas schlimmes war geschehen. Er hatte im Eingangsbereich ihre Schlüssel und ihre Geldbörse liegen sehen. Das Apartment lag ganz ruhig da.

Im Badezimmer hatte er sie dann schließlich gefunden, in einer Blutlache auf dem Fußboden.
Er brauchte nicht lange, bis er festgestellt hatte, dass sie sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte und dass sie noch atmete, wenn auch ganz, ganz flach. Fast unmerklich.

Er wählte die Notrufnummer und wartete auf das Eintreffen des Rettungswagens. Er probierte, sie bequem zu lagern, fühlte ihren Puls am Hals, probierte die Blutung aus den Handgelenken zu stoppen.
Nachdem der Notarzt eingetroffen war und sie mitgenommen hatte, durchsuchte er noch einmal die Wohnung auf fremdes Eindringen hin. Fand aber außer seinem eigenen Eindringen am Morgen keine Anzeichen von Gewaltanwendung.

Auf dem Küchentisch schließlich fand er den Brief. Einen Abschiedsbrief an ihre Mutter. Dave steckte ihn ein. Die Mutter musste ihn nicht zu Gesicht bekommen, falls Emily überlebte, war das vollkommen überflüssig.

Dann rief er das Team an und fuhr ins Krankenhaus.

Hier saß er nun und probierte, diesen Hilferuf zu verstehen. Wenn sie wirklich sterben wollte, weshalb hatte sie sich nicht einfach ihre Dienstwaffe an den Kopf gehalten?
Eine FBI-Agentin hatte ja nun wirklich andere Möglichkeiten, ihr Leben zu beenden, als sich die Pulsadern aufzuschneiden.

Also, was wollte sie mit dieser Aktion erreichen? Aufmerksamkeit? Das sah Emily nun wirklich nicht ähnlich.
Auch die anderen waren verblüfft, erschrocken und ratlos gewesen, nachdem sie im Krankenhaus erschienen waren und den Sachverhalt kannten. Naja, soweit man von einem „Sachverhalt“ sprechen konnte und diesen genau zu kennen, konnte eigentlich niemand von sich behaupten.

Er hoffte, dass es vielleicht doch noch nicht zu spät war. Er würde probieren, ihr ein Freund zu sein. Aber irgendwann musste er sie fragen, was sie sich dabei gedacht hatte.

Hoffentlich war es noch nicht zu spät.

The End



Ich hoffe, das ganze war nicht zu düster. Ich denke, Rossi habe ich ganz gut getroffen und ja, ich weiß, dass ich Emily natürlich überhaupt gut getroffen habe. Weil sie nämlich so etwas niemals tun würde. Aber ich musste die Story irgendwie um Rossi aufbauen und Emily war nur Mittel zum Zweck;-))
Also bitte verzeiht mir meine untypische Emily-Darstellung.
Sicherlich sind auch noch einige Logikfehler vorhanden, aber das passiert ja auch den Drehbuchautoren hin und wieder;-)
Ich hoffe, es hat euch trotzdem gefallen.

LG
Alisha

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#6

RE: Challenge Januar

in Archiv 28.01.2010 18:36
von MrsAaronH • Besucher | 3.877 Beiträge

hey für eine erste Veröffentlichte ist das doch eine tolle Story :)

Und wenn ich dann endlich Zeit zum Schreiben habe, mach ich auch mit *seufz*

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#7

RE: Challenge Januar

in Archiv 29.01.2010 01:24
von MrsAaronH • Besucher | 3.877 Beiträge

Titel: Leben
Autorin: MrsAaronH
Pairing: keins
Rating: PG
Warning: /
AN: die schlimmsten Fics sind die, die im Kopf schon fast fertig sind und dann nicht so aufs Papier wollen wie man es sich vorgestellt hat Vor allem ist er so verdammt kurz...Oo...und ich hab nicht einmal drüber gelesen und der Zeit geschuldet sind da wahrscheinlich horromäßig viele Fehler drin...bitte überlesen XD
Disclaimer: nix meins. Keine Kohle für mich :P



Leben

Er hätte es wissen müssen. Er war einer der besten Profiler, aber er hatte es nicht kommen sehen. Jetzt war alles zu spät. Als die Autotür hinter ihm zuschlug zuckte Aaron zusammen, als würde der Totgeweihte hören, wie der Henker seine Axt schleifte. Das Innere des Wagens war düster und auch als die Fahrertür aufging, blieb die Innenbeleuchtung aus. Für Aaron ein böses Omen. Diese Nacht würde schlimm werden. Sehr schlimm. Und er war sehenden Auges hineingelaufen. Als wäre er ein Frischling von der Akademie bei seinem ersten Fall gewesen.

Als der Motor startete verkrampfte sich Hotch automatisch. Er fuhr hier seinem Untergang entgegen und doch war er wie gelähmt, nicht in der Lage sich zu wehren, einfach den Fahrer zu überwältigen und aus dem Auto zu fliehen.
Er atmete tief ein und roch das neue Leder der Polster, das Aftershave des Mannes auf dem Vordersitz und die warme Luft aus der Lüftung. An Geräuschen gab es nur das monotone Surren des Motors, welches seine Nerven noch weiter anspannte.

Als die Fahrt andauerte, dachte er an seinen Sohn. Was würde Jack denken, wenn er ihn morgen früh nicht wecken und zur Schule bringen würde? Würde er denken, dass er nun auch seinen Vater verloren hat? Er ballte seine Hände zu Fäusten und zwang seine Gedanken nicht in diese Richtung zu gehen.

Das Auto rumpelte durch ein Schlagloch und riss ihn aus seinen Gedanken. Er musste sich auf das hier und jetzt konzentrieren, bei klarem Verstand bleiben. Wie konnte er sich aus dieser Situation befreien? Es würde schwer werden, wahrscheinlich eher unmöglich. Er fühlte sich so machtlos im Moment.

Er verstand immer noch nicht wie blind er in diese Falle getappt war. Er hatte ihm vertraut. Er hatte ihnen allen vertraut.

Der Wagen blieb mit quietschenden Reifen vor einem Gebäude stehen, dass er nicht kannte. Es sah so harmlos aus. Eins von vielen. Von außen verriet die Fassade nichts von den Dingen, die diese Nacht im Inneren passieren würden.

Hotch fühlte seine innere Anspannung steigen.

Als die Fahrertür sich öffnete und die kalte Luft hereinströmte atmete er tief ein und wappnete sich für die kommende Tortur. Trotzdem erschrak er, als sich seine Tür öffnete und am liebsten wäre er wie ein Kind über den Rücksitz gekrabbelt, um auf der anderen Seite des Autos durch die Tür zu stürmen und zu fliehen. Die schwere Hand auf seiner Schulter verhinderte das effektiv.

"Aaron, du benimmst dich wie ein Häftling der den letzten Weg gehen soll! Nun steig schon endlich aus!"

Hotch blickte mürrisch zu Dave hinauf, dessen Augen verschmitzt blinkten.

"Genauso fühl ich mich auch. Du weißt genau, wie wenig ich das leiden kann."

Langsam stieg er aus.

"Und du solltest endlich dein Innenlicht reparieren." Zufrieden sah Hotch wie der verschmitzte Ausdruck in Daves Gesicht säuerlich wurde. Wenigstens etwas.

Etwas unsanfter nun, schob Rossi ihn die Treppen hinauf und in den dunklen Gang des Gebäudes und weitere Treppen hinauf. Er wusste noch immer nicht wo er war und er fühlte sich mit jedem Schritt unwohler.

Bevor er sich richtig fassen konnte schob Dave ihn durch eine Tür und schon stand Hotch inmitten seines schlimmsten Alptraums.

Eine Überraschungsparty.

Mit Luftballons.

Und Konfetti.

Kuchen.

Er war in der Hölle gelandet.

"Alles Gute zum Geburtstag!" schallte ihm von überall entgegen. Morgan, Reid, JJ, Prentiss... alle waren sie da. Garcia leuchtete ihm mit einer neuen beeindruckenden Farbkombination ihrer Kleidung entgegen und Rossi klopfte ihm beruhigend auf die Schulter.

Morgan kam ihm grinsend mit einem Becher entgegen und drückte ihm das leuchtendrote Getränk in die Hand. Es roch nicht nach Alkohol, was er ihm hoch anrechnete. Trotzdem würde sein Team dafür büßen müssen. Seine Rache würde furchtbar werden. Aaron wusste, dass Morgan seine Gedanken am Gesichtsausdruck ablesen konnte, doch sein Grinsen wurde einfach noch breiter.

"Daddy!!"

Der ruf ging im allgemeinen Gemurmel und der Musik fast unter, doch Aaron sah sich sofort nach der Quelle um und da kam Jack auch schon auf ihn zugerannt, seine Tante ein paar Schritt dahinter.

"Jack!"

Aaron bückte sich, und nahm seinen Jungen hoch, um ihn einmal im Kreis zu schleudern. Sein quietschendes Lachen erwärmte sein Herz und er fühlte sich zum ersten Mal seit Wochen wieder gut.

"Was machst du denn hier?"

"Onkel Dave hat gesagt wir überraschen dich heute!"

Aaron warf Dave über Jacks Schulter einen Blick zu. Er erwiderte dessen wissendes Lächeln und plötzlich war der Abend doch nicht mehr so schlimm. Jack war hier und sein Team wusste eben doch, was er am nötigsten brauchte.

Gesellschaft.

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#8

RE: Challenge Januar

in Archiv 29.01.2010 11:36
von Alisha • Besucher | 132 Beiträge

WOW!!

Total schön, deine Geschichte!!
Am Anfang dachte ich, oh jeh, aus so eine düstere Geschichte wie meine.
Aber nein, dann wurde sie doch noch total schön.

Toll gemacht, und danke für dein Kompliment für meine erste Fanfiction.

LG
Alisha

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#9

RE: Challenge Januar

in Archiv 29.01.2010 15:05
von MrsAaronH • Besucher | 3.877 Beiträge

danke danke

Ich seh nur grad beim durchlesen, dass ich einen Satz mitten drin abgebrochen habe...es war wohl doch schon zu spät in der Nacht Das muss ich jetzt erst mal ändern *kopfschüttel*

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#10

RE: Challenge Januar

in Archiv 29.01.2010 19:34
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Mensch, das waren ja tolle Geschichten! Hat mir grad wirklich Spaß gemacht die zu lesen.

@Alisha: Zu düster fand ich die Geschichte überhaupt nicht, ist mal ein interessanter Blick auf das, was nach "Demonology" hätte geschehen können. Und sie schreit ja richtiggehend nach einem Sequel , solltest du also Zeit und Lust haben eins zu schreiben, würd ich mich freuen es zu lesen.
@Denise: Wie immer großartig geschrieben. Mit einer Überraschungsparty hätte ich jetzt nicht gerechnet, bei dem Beginn, aber genauso stelle ich mir Hotchs Reaktion auf so etwas vor.


Und ich habs nun auch mal wieder geschafft, was für die Challenge zu schreiben.

Titel: Neuanfang
Autor: VanessaRossi
Pairing: keines, allerdings läuft die Geschichte in meinem Kopf auf Rossi/Hotch zu (aber auch nur da, ich glaub nicht, dass man außer Friendship viel reininterpretieren kann ).
Rating: PG (im Höchstfall)
A/N: Die Geschichte ist sozusagen mein Blick auf das, was zwischen Gideons Weggang und Rossis Rückkehr passierte, und was in der Serie nicht gezeigt wurde, und spielt dementsprechend in der 3. Staffel, kurz vor Beginn der Folge "About Face". Nehmt bitte zur Kenntnis, dass es sich dabei um meine Interpretation der Dinge handelt, auch wenn ich mir größte Mühe gegeben habe, die einzelnen Figuren charaktergetreu darzustellen.
Disclaimer: Ich hab nach wie vor (leider) keinerlei Rechte an CM und seinen Figuren, und auch finanziell springt nix dabei raus.



Neuanfang

Er hätte es wissen müssen. Er war einer der besten Profiler, aber er hatte es nicht kommen sehen. Jetzt war alles zu spät.

Jason Gideon war in den letzten zehn Jahren zu seinem besten Freund und engsten Vertrauten geworden. Wie hatte es ihm entgehen können, dass Gideon nach und nach auf den Abgrund zusteuerte? Nicht nur als Profiler hätte er die Anzeichen erkennen müssen, auch als sein Freund hätte ihm klar sein müssen, dass etwas nicht stimmte. Oder war ihre Freundschaft am Ende überhaupt nicht so tief?

Betrübt musste er feststellen, dass das wohl der Fall war. Warum sonst hatte er, als vermeintlich bester Freund nicht ein einziges Wort des Abschiedes erhalten? Es verwunderte ihn nicht, dass Gideon Reid, der für ihn wie eine Art Ziehsohn gewesen war, seine Beweggründe erläutert hatte, das war auch gut und richtig so, schließlich hatte der junge Agent zum zweiten Mal in seinem Leben so etwas wie einen Vater verloren und damit von ihnen allen eine Erklärung am nötigsten. Was ihn aber störte war die Ausschließlichkeit, mit der einzig Reid adressiert wurde, und was Zweifel an dem Wert ihrer Freundschaft in ihm aufkommen ließ. Es wurde ihm wieder einmal bewusst, warum es damals so lange gedauert hatte, bis er und Gideon überhaupt Freunde wurden.

Nachdem Reid ihm Gideons Abschiedsbrief gezeigt hatte – erst Wochen nachdem er ihn gefunden hatte, vermutlich weil Spencer ihn nicht noch mehr verletzen wollte, als es Gideons plötzliches Verschwinden ohnehin getan hatte – ging Hotch wortlos in sein Büro. Er war wütend, auf sich selbst, weil er seinem Freund nicht hatte helfen können, und auf Gideon, weil er sich nicht helfen lassen wollte. Viel wütender machte ihn darüber hinaus jedoch die Tatsache, dass Gideon ihn und das Team im Stich gelassen hatte, zu einem Zeitpunkt, der ungünstiger nicht hätte sein können.

Mit einem tiefen Seufzer dachte er daran, wie knapp das Team, sein Team, an der Auflösung vorbeigeschrammt war, wegen einer karrieregeilen, intriganten Vorgesetzten, die auf ihrem Weg nach ganz oben keinerlei Skrupel zeigte und jeden, der ihr auf diesem Weg potentiell in die Quere kam, beiseite zu räumen versuchte.

Er ließ seinen Blick aus dem Fenster hinunter zum Bullpen gleiten, wo Morgan, Prentiss und Reid gerade tief in ihre Arbeit versunken an ihren Schreibtischen saßen, und zum ersten Mal seit Wochen verirrte sich ein leichtes Lächeln in sein Gesicht. Ja, Jason Gideon hatte mit seinem plötzlichen Abgang beinahe das Team gesprengt, und im ersten Moment hatte er sich durchaus gefragt, ob sie ihre erfolgreiche Zusammenarbeit auch ohne den genialen Kopf aufrecht erhalten konnten, aber sie hatten alle bewiesen, dass es genauso erfolgreich weiter ging. Mehr noch, sie waren jetzt viel enger zusammengerückt als zuvor, aus ihrem Team war eine Familie geworden, die gemeinsam durch dick und dünn ging. Ihr Zusammenhalt war in den letzten Wochen zwar erschüttert worden, aber er war nicht gebrochen. Sie hatten während der ganzen Zeit deutlich gemacht, dass sie auch ohne Jason Gideon problemlos funktionierten, aber die zusätzliche Arbeitslast, die durch seinen Weggang jeder einzelne zu tragen hatte, wurde immer schwerer.

Aaron seufzte tief. Irgendwann musste er sich für einen dieser Agenten als Ersatz entscheiden, deren Personalakten sich seit Wochen auf seinem Schreibtisch stapelten. Lustlos begann er in ihnen zu blättern. Es waren alles junge, hochqualifizierte und ohne Zweifel genauso motivierte Agenten, die ihm da von ihren Fotos entgegen lächelten, aber keiner schien so recht in das Team zu passen. Was ihnen allen fehlte war die Erfahrung. Das war die größte Lücke, die Gideon im Team hinterlassen hatte und die sich nicht mit einem jungen, aufstrebenden Stern am FBI-Himmel füllen ließ.

Kopfschüttelnd legte er die Akten wieder beiseite. Chief Strauss wollte bis zum Ende der Woche eine Entscheidung haben, und Hotch wusste bereits jetzt, worauf es hinauslaufen würde. Er würde einfach wahllos eine Akte aus den Stapel ziehen.

Sein Blick fiel wieder hinunter und verdüsterte sich augenblicklich. Ausgerechnet Strauss bahnte sich gerade ihren Weg durch die Schreibtische in seine Richtung und ihr wie üblich eiskalter und harter Gesichtsausdruck und ihr zielstrebiger Gang verhießen nichts Gutes.

Tief durchatmend rief er „Herein!“, als sie an seine Bürotür klopfte.
„Chief Strauss.“ Er nickte höflich. Das letzte, was er im Moment gebrauchen konnte, war, sie wegen ungebührlichem Verhaltens einer Vorgesetzten gegenüber, noch mehr gegen sich aufzubringen.
„Agent Hotchner“, antwortete sie in ihrem üblichen arroganten Tonfall. Er stand auf und wies ihr einen Platz auf seiner schwarzen Ledercouch gegenüber seines Schreibtisches zu und ließ sich selbst auf einem der daneben stehenden Stühle nieder.
„Was kann ich für Sie tun?“
„Nichts. Um ehrlich zu sein, bin ich gekommen, weil ich etwas für Sie tun kann.“
Aarons Augen weiteten sich vor Überraschung, bevor er jedoch etwas sagen konnte, fuhr sie auch schon fort: „Ich habe einen Ersatz für Agent Gideon für Sie gefunden.“
„Wie bitte?“

Sie starrten sich einige Sekunden lang wortlos an und Hotch merkte, dass sie seine Reaktion testen wollte und er bekam das Gefühl, dass gleich eine Bombe über ihm platzen würde. Strauss' Personalentscheidungen waren bestenfalls als berüchtigt zu beschreiben, auch wenn sie mit Emily Prentiss einen echten Glücksfall in sein Team gebracht hatte, der so aber sicher nicht von ihr geplant war. Er musste innerlich grinsen, als er an den Moment zurückdachte, an dem Prentiss ihre Loyalität zu ihm und zum Team bewiesen hatte.

„David Rossi.“ Strauss' Worte holten ihn schlagartig aus seinen Gedanken zurück. Hatte er sich verhört, oder brachte sie eben tatsächlich den Namen seines alten Mentors und Freundes ins Spiel?
„Ja, Sie haben ganz richtig gehört, Agent Hotchner. Agent Rossi hat den Wunsch geäußert aus seinem vorzeitigen Ruhestand wieder in den aktiven Dienst und zur BAU zurückkehren zu wollen.“ An ihrer Wortwahl und ihren verkniffenen Gesichtsausdruck erkannte Hotch, dass dies augenscheinlich nicht ihre Idee war, und vor allem, dass sie ihr deutlich missfiel. Er erinnerte sich daran, dass Strauss und Rossi schon immer ihre Differenzen hatten, und das war noch milde ausgedrückt. Nun konnte er sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. Wenn Jason Gideon ein Star innerhalb des FBI war, dann war David Rossi eine Legende. Und wenn ein David Rossi etwas wollte, dann bekam er es auch.

„Ich sehe, dass Ihnen diese Entscheidung zusagt, Agent Hotchner.“ Die Missbilligung in ihrem Tonfall war nicht zu überhören.
„Nun“, antwortete Hotch zögernd, „sie erscheint mir zumindest sinnvoller als einen dieser jungen Agenten ohne Erfahrung zu verpflichten.“
„Agent Rossi wird ab nächster Woche hier sein. Wenn nichts dagegen spricht, wird er Jason Gideons Büro übernehmen, aber ansonsten wird er Ihrer Leitung unterstehen.“ Ihre letzten Worte kamen bereits im Aufstehen heraus, und so schnell wie sie gekommen war, war sie auch schon wieder verschwunden.
Hotch ignorierte seine Verwunderung über ihre überraschende Unterstützung und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch und ließ die nun obsolet gewordenen Personalakten in einer Schublade verschwinden. Seine Gedanken schweiften augenblicklich zu David Rossi.

Sie hatten nicht allzu lange zusammengearbeitet, aber vom ersten Moment an bestand eine Verbindung zwischen ihnen, die er sich bis heute nicht erklären konnte. Rossi war derjenige gewesen, der ihn gefördert und zu dem Unit Chief gemacht hatte, der er heute war. Das wurde ihm gerade wieder einmal schlagartig bewusst. Zwischen ihnen beiden hatte sich vom Augenblick ihres Kennenlernens an ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt, und auch wenn sich ihre Karrieren in den vergangenen zehn Jahren in unterschiedliche Richtungen entwickelten, und der Kontakt sporadischer wurde, so war er doch nie ganz abgerissen.

Als Rossi vor zehn Jahren in den vorzeitigen Ruhestand ging, beziehungsweise dem Lockruf des Geldes folgte um eine lukrative Karriere als Bestseller-Autor zu beginnen – und damit im Übrigen seinen Ruf als BAU-Legende fester in den Annalen des FBI verankerte und beinahe schon mythische Züge annahm – hatte Aaron gerade sein erstes Team als Unit Chief übernommen, zusammen mit Gideon. Es hatte Jahre gedauert, bis er und Gideon auch nur ansatzweise diese Freundschaft entwickelt hatten, die zwischen ihm und Rossi vom ersten Moment an bestand, und rückblickend wurde ihm wieder einmal deutlich, wie sehr seine Fähigkeiten als Teamchef nach wie vor auf dem aufbauten, was er von Rossi gelernt hatte. Kopfschüttelnd stellte er fest, dass gerade Gideons Einfluss in den letzten zehn Jahren diesbezüglich erstaunlich gering war.

Und nun kam ausgerechnet Rossi zurück.

„Zumindest das Problem mit der mangelnden Erfahrung hat sich damit gelöst“, murmelte Hotch vor sich hin. Ansonsten aber waren Rossi und Gideon so verschieden wie Feuer und Wasser, und das in jeder Hinsicht. Blieb nur zu hoffen, dass sich keine schwerwiegenden Probleme auftaten, wenn er erst einmal wieder hier war. Schließlich hatte sich so einiges geändert mit der Zeit, und Rossi war noch nie der Typ gewesen, der auf Veränderungen besonders positiv reagierte. Zwei, nein, mittlerweile drei gescheiterte Ehen sprachen eine deutliche Sprache.

Es beschlich Hotch der Verdacht, dass Rossi nicht allein aus gutem Willen zurückkam, aber was auch immer es war, das ihn zurückbrachte, er würde sich in das Team einfügen müssen und die Veränderungen in der Arbeitsweise der Profiler, die seit dem letzten Mal als er in der BAU war, stattgefunden hatten, akzeptieren müssen. „Wegen ihm werden wir das Rad jedenfalls nicht zurückdrehen.“

Hotch lehnte sich zurück in seinen Schreibtischstuhl und ließ zum zweiten Mal an diesem Tag ein ehrliches Lächeln auf seinen Lippen erscheinen. Die Aussicht darauf, wieder mit seinem alten Freund zusammenzuarbeiten, war, bei allem was die Zukunft eventuell auch bringen mochte und welche Schwierigkeiten auch potentiell auf sie beide zukamen, eine, auf die er sich ehrlich freute.

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#11

RE: Challenge Januar

in Archiv 30.01.2010 05:23
von MrsAaronH • Besucher | 3.877 Beiträge

ohhh, gefällt mir sehr gut die Geschichte! Hast Hotch gut hingekriegt und die Reflexionen über seine und Gideons Freundschaft sind plausible und gut formuliert!

Und danke für das Kompliment

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#12

RE: Challenge Januar

in Archiv 30.01.2010 11:55
von Alisha • Besucher | 132 Beiträge

Vanessa: wunderbar deine Geschichte.
Genauso könnte ich mir vorstellen, dass Hotch reagiert hat, als er von Rossis Rückkehr erfuhr.

Und vielen Dank, ich denke bereits über ein Sequel nach. Also nicht, ob ich überhaupt eines schreibe, sondern was genau der Inhalt sein soll.

LG
Alisha

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#13

RE: Challenge Januar

in Archiv 30.01.2010 21:21
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Vielen Dank, ihr zwei! Freut mich wenn sie euch gefallen hat!

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