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Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 31.12.2010 16:42
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Titel: Feels Like A Change Is Gonna Come
Autor: VanessaRossi
Pairing: Rossi/JJ
Rating: G/FSK6
Disclaimer: Das Übliche, die Charaktere gehören nicht mir und ich mach auch keinerlei Kohle damit...
Kommentar: Es handelt sich hierbei um die Übersetzung meiner Geschichte aus dem Englischen für den Christmas Gift Exchange auf fanfiction.net. Wer lieber das englische Original lesen möchte, kann das hier tun: http://www.fanfiction.net/s/6583089/1/Fe...e_Is_Gonna_Come
Ansonsten möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich JJ's Sohn Henry in der Geschichte ein Jahr älter gemacht habe, weil es sonst meiner Ansicht nach keinen Sinn ergeben würde.
Über Feedback im dazugehörigen Thread – hier: f114t924-fb-feels-like-a-change-is-gonna-come-deutsch.html - würde ich mich freuen. (Über Comments zur Original-Geschichte natürlich auch ;) Ihr könnt bei ff.net auch anonym ne Review hinterlassen *grins*).

Viel Spaß beim Lesen!

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Feels Like A Change Is Gonna Come – Deutsch

Kapitel 1:

Wer auch immer das Weihnachts-Shopping erfand, muss nicht ganz richtig im Kopf gewesen sein. Das waren David Rossis einzige Gedanken als er sich missmutig seinen Weg durch das überfüllte Einkaufszentrum bahnte. Überall waren Leute, alte und junge, kleine und große, alle lachten und schrien sie durcheinander, während sie ihre Mitmenschen beiseite drückten. In Kombination mit den verschiedensten Weihnachtsliedern, die aus den Lautsprechern der Läden tönten, und allen möglichen lächerlichen Weihnachtsdekorationen war es beinahe zu viel für ihn.
Und jedes Jahr schien es schlimmer zu werden. Genauso wie Rossi sich jedes Jahr wieder schwor, im nächsten Jahr spätestens zu Thanksgiving alle Weihnachtseinkäufe erledigt zu haben. Leider machte ihm sein Job immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Nächstes Jahr würde er wirklich einmal auf Garcia hören und alle Geschenke online bestellen. Heuer, zwei Tage vor Weihnachten, war es nun leider zu spät dafür.
Drei Stunden später hatte er zu seiner Zufriedenheit eine Halskette und ein Paar Ohrringe für seine Mutter und eine Flasche edlen Whiskey und Zigarren für seinen Vater erstanden, sowie Geschenke für jeden in seinem Team. Und nun brauchte er eine kurze Verschnaufpause. Er fand einen freien Platz auf einer Bank und ließ sich geschafft nieder.
Nur noch ein Geschenk musste er besorgen, und zwar für JJ. Und nun saß er hier und grübelte darüber nach, ob er ihr überhaupt etwas schenken sollte, nun da sie nicht mehr zum Team der BAU gehörte.
Es war ja nicht so, dass er JJ nicht leiden konnte. Ganz im Gegenteil. Vom ersten Moment an hatte die junge Frau sein Herz erobert und eigentlich gab es nichts, was er nicht für sie tun würde. Das Problem war nur: sie gehörte nicht zu ihm. Sie gehörte zu einem anderen Mann, mit dem sie einen wundervollen Sohn hatte, und das letzte was er wollte, war, irgendwelche Grenzen zu überschreiten indem er vor ihrer Haustür auftauchte mit einem Geschenk in der Hand.
Jetzt, da sie nicht mehr Kollegen waren, fand er das etwas unpassend. Vor allem auch, weil sie beide niemals mehr als ein kollegiales Verhältnis hatten. Zugegebenermaßen war das Team eine eng verschworene Gemeinschaft, und er und JJ empfanden auch tiefen Respekt füreinander, aber am Ende eines jeden Tages ging doch jeder seine eigenen Wege, heim in sein eigenes Leben.
Was natürlich nichts daran änderte, dass er fast jede Nacht von ihr träumte und sie bei der Arbeit furchtbar vermisste, ihr wunderschönes Lachen, ihre strahlend blauen Augen.

Seit drei Monaten hatte er sie nun schon nicht mehr gesehen, seitdem sie die BAU an ihrem letzten Arbeitstag dort verlassen hatte, und das obwohl sie sich alle gegenseitig versichert hatten, in Kontakt zu bleiben. Schuld daran waren in seinen Augen in erster Linie ihre Jobs, bzw. eigentlich nur seine Arbeit. Immerhin hatten sich JJs neue Arbeitszeiten ja als recht angenehm herausgestellt, nun, da sie nicht mehr im ganzen Land herumjetten musste. Für die BAU hatte sich jedoch nach wie vor nichts geändert. Ihre Tage waren wie immer vollgepackt und die Tatsache, dass sie nun ein Teammitglied weniger hatten, sorgte ebenso dafür, dass die Arbeitsbelastung für jeden anderen größer wurde.
Garcia und Reid waren vermutlich die einzigen, die weiterhin mit JJ in Kontakt standen, weil sie ja Henrys Taufpaten waren, allerdings erzählten auch sie bei weitem nicht mehr so viel von JJ und wie es ihr ging, als in den ersten Wochen nach ihrer Versetzung. David selbst hatte zweimal versucht sie anzurufen.
Das erste Mal hatte er Will am Telefon, da JJ nicht zu Hause war. Und der hinterließ bei ihm den Eindruck, dass er mit seinem Anruf irgendwo eindrang, wo er nicht hingehörte. Das zweite Mal erreichte er zwar JJ direkt, und sie schien sich auch sehr darüber zu freuen, von ihm zu hören, aber sie hatte keine Zeit für ein langes Gespräch, weil sie noch mit Henry einen Arzttermin hatte. Wieder versprachen sie sich gegenseitig voneinander hören zu lassen, und JJ versprach ihn anzurufen, sobald es weniger stressig war, aber der Anruf kam nie. Und für Dave war es eine bittere Erkenntnis, dass das Sprichwort „Aus den Augen, aus dem Sinn“, doch zu stimmen schien.
Aus seiner Sicht galt das jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Sie schien seine Gedanken immer mehr zu beherrschen, besonders, wenn er alleine war mit ihnen und genug Zeit zum nachdenken hatte.
Das wurde sogar so offensichtlich, dass seine Eltern schon begannen sich Sorgen um ihn zu machen. Vor einem Monat, zu Thanksgiving, hatte seine Mutter extra für ihn seinen liebsten Schokoladenkuchen gebacken. Das tat sie normalerweise nur zu seinem Geburtstag, oder aber wenn er an Liebeskummer litt. Seitdem tauchten sie an jedem Wochenende, das er daheim und nicht unterwegs mit dem Team verbrachte, bei ihm auf, um ihn aufzuheitern.
„Zumindest eine Weihnachtskarte werde ich ihr schreiben“, beendete er seine Grübelei. Der seltsame Blick, den ihm die ältere Frau neben ihm zuwarf, sagte ihm, dass er das eben laut gesagt hatte. Schnell stand er auf, ignorierte sie komplett, und packte seine Einkaufstaschen und machte sich auf den Weg zum nächsten Ausgang.

***

Er war beinahe bei den Aufzügen angekommen, als er einen kleinen, blonden Jungen aus einem heraus rennen sah, der sich direkt in seine Richtung bewegte. Irgendwie kam ihm das Kind bekannt vor. War das nicht...?
Die Stimme, die prompt hinter dem Jungen herschrie, bestätigte seine Vermutung.
„Henry Jareau! Sofort stehenbleiben, hab ich gesagt!“
Ein breites Grinsen machte sich auf Daves Gesicht breit als er JJ hinter ihrem Sohn aus dem Aufzug laufen sah. Bevor der kleine Lausbub an ihm vorbei rennen konnte, ließ Dave schnell alle seine Taschen fallen und bückte sich hinunter um ihn aufzufangen. Vor lauter Überraschung ließ Henry erst mal einen spitzen Schrei los und versuchte sofort, sich aus Daves festem Griff zu befreien.
„Hey, Buddy, wo willst du denn so schnell hin?“
Sofort hielt Henry still, als er die vage bekannte Stimme vernahm.
„Mr. Wossi?“ fragte er vorsichtig und schaute mit großen Augen zu ihm auf.
„Ja, Buddy, ich bins“, antwortete Dave mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. Es überraschte ihn ein wenig, dass Henry sich noch an ihn erinnerte, denn ihn hatte er ja schon wesentlich länger als JJ nicht mehr gesehen gehabt. Es war bestimmt schon sechs oder sieben Monate her, dass JJ ihn zuletzt mit in die BAU gebracht hatte.
Mittlerweile war JJ auch bei ihnen angekommen.
„Na, hast du was verloren? Oder besser gesagt, jemanden?“ Dave konnte sich ein freches Grinsen nicht verkneifen, aber sein Gesichtsausdruck änderte sich sofort, als er sie näher betrachtete.
Sie hatte dunkle Ringe unter ihren Augen und das Funkeln in ihnen, das die so besonders gemacht hatte, war komplett verschwunden. Und sie schien auch etliches an Gewicht verloren zu haben, und bei ihrer Figur, war das wahrlich nicht nötig.
„Rossi!“ rief JJ aus, „das ist ja ne Überraschung!“
„In der Tat. Wie geht’s dir?“
JJ hatte keine Chance zur Antwort, weil Henry sich wieder meldete und ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.
„Mommy! Ich will jetzt zu Santa! Bitte!“ rief er ungeduldig.
„Henry, wie oft denn noch? Du hast Santa doch schon zwei Mal gesehen dieses Jahr!“ versuchte JJ mit ihm zu verhandeln.
„Aber Mommy, ich muss ihn nochmal sehen!“ Henry strampelte wieder auf Daves Arm und versuchte herunter zu gelangen.
„Na gut, wir gehen noch mal hin. Aber Mommy muss erst noch ein paar Dinge erledigen, hört du?“ gab JJ klein bei. Es war deutlich, dass sie im Moment weder die Kraft, noch die Lust hatte, lange mit ihrem Sohn herumzudiskutieren.
Dave selbst beobachtete die Szene genau. Henrys Begeisterung für den Weihnachtsmann war nichts Ungewöhnliches für ein Kind in seinem Alter, aber die Tatsache, dass seine normalerweise so ruhige und besonnene Mutter am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu sein schien, besorgte ihn zutiefst. Er musste herausfinden was mit den beiden vor sich ging.

„Hey, wie wärs wenn ich mit Henry zu Santa Claus ginge? Dann kannst du in der Zwischenzeit deine Einkäufe hinter dich bringen“, bot er JJ an.
„Yay! Santa!“ Henry schrie begeisterst und wollte sofort los. Für ihn klang der Plan super.
„Bist du sicher?“ hakte JJ nach.
„Natürlich. Ich hätte es sonst nicht angeboten. Henry und ich werden bestimmt viel Spaß haben bei Santa Claus, nicht wahr, Henry?“
Der Junge nickte eifrig. „Los gehen wir, Mr. Wossi!“
„Okay, wenn du dir sicher bist,“ stimmte JJ schließlich zu. Sie war sichtbar erleichtert ein paar Minuten für sich zu haben.
„Wie wärs wenn wir uns dann später oben bei Starbucks wieder treffen?“ schlug Dave vor.
„Klingt gut.“ JJ lächelte ihn dankbar an, zum ersten Mal seit sie sich an diesem Tag begegnet
waren. „Pass auf, Henry. Du wirst auf alles hören, was Mr. Rossi dir sagt, ist das klar?“
„Klar, Mommy.“
JJ wandte sich wieder Dave zu. „Ich wollte eigentlich seinen Buggy mitnehmen, damit ich ihn herumschieben kann, aber dann hat er heute morgen als wir loswollten so einen Aufstand gemacht, dass ich ihn einfach nur ins Auto gesetzt hab, sonst wären wir nie hier angekommen.“
„Ist schon okay, JJ. Ich verspreche dir, ihn die ganze Zeit an die Hand zu nehmen. Und wenn er wieder versucht zu entkommen, werd ich ihn einfach auf den Arm nehmen“
„Und du bist dir wirklich sicher, dass es dir nichts ausmacht?“ hakte JJ noch einmal nach. „Ich kann ja deine Taschen nehmen, wenn du willst.“
„Ja, ich bin mir wirklich sicher. Und die Taschen werden Henry und ich vorher in mein Auto bringen.“ Er zwinkerte dem Jungen zu, der allerdings sofort zu einem Protest ansetzte.
„Aber-“
„Henry Jareau, was habe ich dir eben gesagt?“ unterbrach JJ ihn jedoch sogleich.
„Dass ich auf Mr. Wossi hören soll“, sagte Henry kleinlaut.
„So ist es. Jetzt gib mir noch einen Kuss.“
Henry drückte ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange.
„Bis später, mein Schatz. Danke, Rossi. Du tust mir gerade einen großen Gefallen,“ verabschiedete JJ sich.
„Das mach ich gerne. Bis dann, JJ.“

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#2

RE: Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 01.01.2011 22:15
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Kapitel 2

Nachdem alle Einkaufstaschen sicher in Daves Auto verstaut waren, stürzten Dave und Henry sich zurück ins Getümmel und steuerten sofort die Mitte des riesigen Einkaufszentrums an, wo der Weihnachtsmann seinen Platz, umringt von einigen Weihnachtselfen, eingenommen hatte, um sich geduldig die Wünsche der Kinder anzuhören.
Sie stellten sich in der beinahe unendlich scheinenden Reihe an, und Dave wurde klar, dass sie unter einer Stunde hier vermutlich nicht herauskommen würden.
Das gab ihm jedoch die Gelegenheit, den Kleinen ein wenig auszufragen, in der Hoffnung, dass er ein paar Dinge seine Mutter betreffend verriet.
„Also, Henry, warum möchtest du denn unbedingt noch einmal zu Santa Claus?“ fragte er.
„Weil, Mommy hat gesagt, dass er alle Wünsche erfüllt!“
„Das ist richtig. Aber normalerweise reicht es, wenn man ihm einmal seine Wünsche mitteilt.“
„Ja, aber ich muss ganz sicher sein, dass er es nicht vergisst! Ist wirklich wichtig!“ erklärte Henry mit wichtiger Miene, was Dave ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Gleichzeitig wurde seine Neugier immer stärker bezüglich dessen, was im Moment in JJs und Henrys Leben los war. Warum wünschte sich Henry so sehnsüchtig, dass der Weihnachtsmann ihm seine Wünsche erfüllte?
„Was wünschst du dir denn eigentlich von Santa?“
Henry schaute ihn mit großen Augen an, und Dave konnte genau erkennen, dass der Junge nicht ganz sicher war, ob es okay war, dass er ihm von seinen Wünschen erzählte.
„Weißt du“, versuchte er ihn zu überzeugen, „ich könnte dem Weihnachtsmann ja helfen mit deinen Wünschen, wenn du sie mir verrätst. Gerade bei den richtig wichtigen freut er sich, wenn er Hilfe bekommt. Du siehst ja wie viele Kinder zu ihm kommen mit ihren Wünschen. Manchmal muss er sich da schon Unterstützung holen.“
Henry sah ihn kurz noch etwas zweifelnd an, und Dave hoffte, dass er jetzt nicht seinen Glauben an Santa Claus zerstört hatte, wurde aber gleich von seinen Zweifeln erlöst, als es aus Henry herausbrach:
„Er muss mir einen neuen Daddy bringen!“
Dave blieb für einen Augenblick die Spucke weg, als er Henrys Worte vernahm.
„Aber hast du nicht schon einen Daddy, Henry?“
Der Junge senkte betrübt den Kopf und seine strahlend blauen Augen wurden ganz traurig. „Er hat gesagt, dass er nicht mehr mein Daddy sein mag.“
Dave fühlte, wie die Wut sich in seinem Magen auszubreiten begann. Dieser verdammte Idiot LaMontagne! Jetzt wurde ihm klar, warum JJ wie der Tod höchstpersönlich aussah. Sollte er jemals diesen Mistkerl in die Finger bekommen, würde er ihm das Leben zur Hölle machen!
„Kannst du Santa damit helfen, Mr. Wossi?“ fragte Henry vorsichtig. „Und kannst du Santa auch helfen, dass er mir ne Grandma bringt?“
„Du hast auch keine Grandma mehr?“ Dave fragte überrascht. JJ hatte immer voller Dankbarkeit erzählt, wie glücklich ihre Mutter über Henry war und wie gerne sie sich um ihn kümmerte, wenn ihre Tochter sie brauchte.
Traurig schüttelte Henry den Kopf.
„Mommy hat gesagt, dass Grandma jetzt oben im Himmel ist. Und dass sie nicht mehr zu uns zurückkommen kann, aber dass sie immer von oben auf mich aufpasst.“ Seine Augen füllten sich mit Tränen. „Aber das macht Mommy so traurig, und ich will nicht, dass Mommy traurig ist.“
Der verzweifelte Ton in Henrys Stimme war beinahe überwältigend für Dave, und er musste für einen Moment die Augen schließen und tief durchatmen, bevor er sich dem Jungen wieder zuwenden konnte.
„Kannst du das tun? Kannst du Santa helfen?“ wollte Henry noch einmal wissen.
„Das sind wirklich zwei sehr große Wünsche, Henry“, begann Dave zögerlich. Er wollte ihm nicht noch mehr wehtun, indem er ihm sagte, wie unwahrscheinlich es sein würde, dass seine Wünsche innerhalb von zwei Tagen erfüllt werden würden. Gleichzeitig wollte er ihm aber auch keine falschen Hoffnungen machen, weil das letztendlich noch viel schmerzhafter und enttäuschender für Henry sein würde, wenn die Wünsche nicht erfüllt würden. Zum Glück war Henry an der Reihe noch bevor er sich eine passende Antwort zurechtlegen musste.
Während er zusah, wie Henry dem Weihnachtsmann eindringlich von seinen Wünschen berichtete, kam Dave plötzlich eine Idee.
Eine brillante Idee, wie er voll Zufriedenheit feststellte. Eine, die dem Jungen nicht nur einen Wunsch erfüllen würde, sondern, wenn er seine Karten richtig ausspielte, auch den anderen möglich machte.
Er hatte schon vor langem aufgegeben an Wunder zu glauben, aber was wenn er gerade genau das erlebte? Was, wenn er der Schlüssel war, um Henry genau das zu bringen, was er sich so sehnsüchtig wünschte? Was, wenn Santa Claus seine Magie schon hatte wirken lassen und sein überraschendes Zusammentreffen mit JJ und Henry heute kein Zufall war?
Er konnte es zumindest versuchen. Und vielleicht bekam auch er selbst dadurch noch eine letzte Gelegenheit zu einem Happyend.
Henry holte ihn wieder aus seinen Gedanken, als er voll Begeisterung zu ihm zurückgestürmt kam.
„Santa hat mir gesagt, dass du mir helfen kannst!“ rief er aufgeregt.

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#3

RE: Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 02.01.2011 01:23
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Kapitel 3

Später, als sie wieder mit JJ zusammentrafen, lud Dave die beiden erst einmal zu einem Kaffee, bzw. zu einer Tasse Kakao für Henry ein, bevor sie sich auf den Heimweg machten.
Nach einer halbwegs entspannten, mit oberflächlichem Smalltalk gefüllten, halbstündigen Kaffeepause, traten sie schließlich wieder hinaus auf den Parkplatz, und das erste, was passierte, war, dass Henrys Augen begeistert aufleuchteten und er vor Erstaunen vergaß den Mund zu schließen. Während ihres Aufenthalt beim Weihnachtsmann hatte es nämlich heftig zu schneien begonnen, und sämtliche Autos waren bereits von einer zentimeterdicken Schneeschicht bedeckt, und wenn man sich das Schneegestöber so betrachtete, schien es nicht so, als ob es in den nächsten Minuten aufhören würde zu schneien.
Dave brachte JJ und Henry noch zu ihrem Auto und half ihr die Fenster wieder frei zu bekommen, während Henry aufgeregt und voller Freude durch den Schnee sprang, ihn in die Luft wirbelte und versuchte, Schneeflocken mit der Zunge aufzufangen.
„Vielen Dank, dass du mir heute ausgeholfen hast, Rossi“, sagte JJ, nachdem das Auto wieder frei war und sie Henry in seinen Kindersitz geschnallt hatte.
„Es war mir ein Vergnügen, JJ“, antwortete Dave schlicht. „Henry und ich hatten viel Spaß zusammen.“
„Ja, das seh ich. Er mag dich sehr, weißt du. Du hast wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als ich ihn das letzte Mal mit zur BAU gebracht hab. Er hat seitdem fast pausenlos von dir geredet“, platzte es aus JJ heraus, die sofort rot anlief und sich abwendete, als hätte sie zu viel verraten.
Ihre Worte lösten ein warmes, wohliges Gefühl in Dave aus, und ihm wurde mehr und mehr klar, dass dieses zufällige Treffen wohl vorherbestimmt war.
„Ich mag ihn auch sehr, JJ. Du hast da echt einen ganz tollen Sohn.“
JJ lächelte ihn stolz an.
Für einen kurzen Moment wussten sie beide nicht so recht was sie sagen sollten, und JJ setzte schon an, sich von Dave zu verabschieden, als er plötzlich wieder anfing:
„Hör mal, JJ, ich hab mich gefragt, ob du nicht vielleicht mit Henry heute Abend bei mir auf ein Abendessen vorbeikommen möchtest.“ Er wählte seine Worte vorsichtig aus, um sie nicht durch einen unbedachten Ausdruck zu verschrecken. „Ich würde was kochen und wir könnten, naja, uns gegenseitig auf den neuesten Stand bringen, sozusagen.“
Er sah sie durchdringend an und konnte in ihre Augen deutlich ablesen, dass sie genau wusste, worauf er hinaus wollte.
„Was hat Henry dir alles gesagt?“ fragte sie leise.
„Genug um mir einen Eindruck zu verschaffen, aber nicht genug, um genau zu wissen, was los ist", antwortete er sanft.
„Ich hab noch mit niemanden wirklich darüber gesprochen -“, begann JJ, brach dann aber mitten im Satz ab.
„Wenn du reden willst, ich kann gut zuhören“, bot Dave an.
„Ich möchte dir nicht zur Last fallen -“, fing sie an, wurde aber gleich wieder freundlich aber bestimmt von ihm unterbrochen.
„Das tust du ganz bestimmt nicht. Lass mich dir helfen, JJ. Dir und Henry.“
Sie nickte zögerlich und etwas abwesend. „Ich sollte jetzt gehen, bevor das Auto wieder total eingeschneit ist“, sagte sie, als ob sie nicht genau wusste, was sie sonst sagen sollte.
Dave wurde klar, dass der Parkplatz von Washingtons größtem Einkaufscenter nicht der richtige Ort für solch eine ernsthafte Unterhaltung war, und fragte daher noch einmal: „Kommt ihr vorbei?“
JJs immer noch unentschlossener Blick sprach Bände.
„Bitte?“ bat er mit Nachdruck, nahm ihre Hand, und rieb sie sanft zwischen seinen warmen Handflächen.
„Okay“, stimmte sie schließlich zu.
Er öffnete ihr die Autotür und half ihr hinein.
„Dann sehen wir uns später. Ist sieben in Ordnung für dich?“
JJ nickte wieder. „Das klingt gut.“
„Toll, dann freu ich mich auf euch.“
Ihr sanftes, beinahe nicht zu erkennendes Lächeln sagte ihm, dass es ihr genauso ging.
„Fahr vorsichtig.“
Er wartete und sah ihr nach, bis die Rücklichter verschwunden waren, bevor er ebenfalls nach Hause fuhr.

***

Als das erlösende Klopfen an der Wohnungstür endlich kam, war es bereits halb acht.
Dave atmete erleichtert auf und erst in diesem Moment wurde ihm bewusst, dass er die letzten zwanzig Minuten nervös auf und ab getigert war, ganz besonders seit er mehrmals versucht hatte, sie auf dem Handy zu erreichen und nur die Mailbox dran ging.
Nachdem er am späten Nachmittag bemerkt hatte, dass es immer heftiger schneite und der Schnee auch überhaupt kein Ende mehr zu nehmen schien, hatte er sie angerufen und vorgeschlagen, dass er bei ihr vorbeikäme und etwas zu Essen mitbrachte, damit sie nicht mit Henry durch den Schneesturm fahren musste, aber JJ hatte darauf bestanden, dass das nicht nötig war und dass es für sie kein Problem war zu fahren. Und als sie dann um Viertel nach sieben noch immer nicht bei ihm aufgetaucht war, war er vor Sorge fast verrückt geworden.
Schwungvoll öffnete er nun die Tür und ein breites, einladendes Lächeln machte sich sofort auf seinem Gesicht breit, als er JJ und Henry wohlbehalten davor stehen sah.
„Es tut mir schrecklich leid, dass wir zu spät sind, Rossi“, begann sie sofort sich zu entschuldigen.
„Ist schon gut, jetzt seit ihr ja da“, antwortete Dave so ruhig wie er nur konnte. Er wollte nicht zugeben, wie sehr er sich um die beiden gesorgt hatte. „Kommt rein!“
„Mr. Wossi!“ rief Henry freudig aus und Dave hob ihn sofort in seine Arme.
„Hey, Buddy! Na, warst du schön brav zu deiner Mama?“
„Oh Gott, bitte erinner mich nicht!“ lachte JJ auf. „Während ich unter der Dusche war, meinte mein Herr Sohn, er müsse jetzt unbedingt die Flasche Ahornsirup öffnen, die noch vom Frühstück auf dem Tisch herumstand. Ich glaube, ich brauch den Rest nicht näher auszuführen, wenn ich dir sage, dass sowohl er als auch ich nochmal ein Dusche gebraucht haben, als ich es endlich geschafft hatte, ihm die Flasche abzunehmen und alles aufzuwischen. Als ich ihn dann endlich im Auto hatte, wollte ich dich anrufen, dass wir uns ein wenig verspäten würden, aber mein Akku wurde leer, während ich deine Nummer gewählt hab. Und ich dachte mir, bevor es noch später wird, fahr ich jetzt einfach los. Wenn ich nochmal hochgegangen wäre, um das Ladegerät zu holen, hätte ich Henry ja wieder mitnehmen müssen, und das wollte ich mir nicht noch mal antun.“ Sie lächelte ihn entschuldigend an und fügte hinzu: „Ich hoffe, du hast dir keine allzu großen Sorgen gemacht.“
„Naja, ein bisschen vielleicht“, meinte Dave und wandte seine Aufmerksamkeit wieder zu Henry.
„Du magst also Ahornsirup?“
Der Junge nickte eifrig.
„Na dann werd ich mal sehen, was ich später für dich machen kann.“
Er führte Henry und JJ in sein Wohnzimmer.
„Macht's euch gemütlich. Ich dachte, dass wir hier üben essen.“
Er deutete in seine Essecke am hinteren Ende des Zimmers, wo er den Tisch schon angerichtet hatte.
„Rossi, du hättest dir doch nicht so viel Mühe machen müssen!“ rief JJ aus, als sie den wunderschön hergerichteten Tisch sah.
„Das hab ich doch nicht. Es ist nur ein einfaches Abendessen.“
Dave hatte sich kurz überlegt gehabt, ob er nicht mit einem kompletten Drei-Gänge-Menü seine Kochkünste unter Beweis stellen sollte, aber im Hinblick auf Henry hatte er sich dann doch für Spaghetti mit seiner selbstkreierten Tomate-Mozzarrella-Sauce entschieden.
„Ach ja, bevor ichs vergesse, ich hab dir ne Flasche Wein mitgebracht“, sagte JJ und reichte ihm die Tasche.
„Dankeschön.“
Dave nahm die Flasche heraus und nickte anerkennend. JJ hatte wirklich einen ausgesprochen guten Geschmack und er entschied sofort, dass ihre Flasche Merlot sehr gut zu seiner Pasta passte. Seine eigenen Wein konnten sie ja , falls ihnen danach war, später immer noch öffnen.

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#4

RE: Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 02.01.2011 19:46
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Vielen lieben Dank, sunset und Zeitlos, für das liebe Feedback!
Hier gehts auch schon weiter mit dem nächsten Kapitel!
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Kapitel 4


Das Abendessen verlief recht unbeschwert. Dave hielt absichtlich nur Smalltalk, um es JJ so angenehm wie möglich zu gestalten und nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen, und es schien zu funktionieren, weil JJ auf sein Bitten dazu überging, ihn doch bei seinem Vornamen zu nennen, anstatt des distanzierenden Nachnamens. Später, nach dem Essen war Rossis Ansicht nach immer noch genug Zeit um JJ auszuquetschen.
Wie er es sich gedacht hatte, waren die Spaghetti ein Riesenerfolg bei Henry, der einen Heidenspaß daran hatte, sich immer neue Methoden auszudenken, die langen Nudeln vom Teller in den Mund zu bekommen. Besonders für Henry machte Dave im Anschluss noch Pfannkuchen als Nachspeise, zu denen der Kleine besonders viel Ahornsirup bekam, sehr zum Leidwesen seiner Mutter.
Während des Essens gab es für Dave nur einen Moment der Verwirrung, als JJ sich hartnäckig weigerte, ebenfalls ein Glas von dem Wein zu trinken. Das war ein weiterer Punkt, auf den er später noch näher eingehen wollte.
Nach dem Essen machten sie es sich auf Daves Sofa vor dem Kamin gemütlich und genossen die wohlige Wärme und das entspannende Knistern des brennenden Holzes, die das Feuer ausstrahlte. Es dauerte nicht lange bis Henry mitten in einer Geschichte, die Dave ihm aus seinem Lieblingsbuch vorlesen musste, das JJ mitgebracht hatte, einschlief. Sie brachten in nach hinten in Daves Gästezimmer und Dave erweiterte seine Einladung, indem er JJ anbot, über Nacht zu bleiben.
Sie zögerte erst ein wenig, aber insgeheim war sie froh, nicht mehr im Dunkeln durch den Schneesturm nach Hause fahren zu müssen. Ohnehin hätte sie diesmal keine Chance bei einer Diskussion mit Dave gehabt, nicht, nachdem er sich so große Sorgen vor ihrer Ankunft gemacht hatte.
„Stört es dich, wenn ich ein wenig Musik anmache?“ fragte Dave, als sie sich wieder auf der Couch niedergelassen hatten.
„Nein, nur zu.“
Er drückte die Fernbedienung, und die ersten Töne von „Carol of the Bells“ in der Version von Celtic Woman ertönten durch den Raum. JJ war überrascht von seiner Musikauswahl.
„Dir gefällt Celtic Woman?“
„Ist das so unerwartet?“ grinste Dave breit.
„Ein bisschen schon, ehrlich gesagt. Ich hätte wetten können, dass du eine Weihnachts-CD von Frank Sinatra oder Dean Martin im Player hast“, gab JJ zu.
„Die hab ich auch, keine Sorge. Aber diese CD hier ist ein Lieblingsalbum von meiner Mutter. Es wurde ihr von einer Bekannten empfohlen, und prompt hat sie mir ebenfalls eine CD mitgebracht. Ich muss zugeben, dass sie mir mittlerweile sehr gut gefällt“, erklärte Dave.
Nachdem er sich noch einmal vom Wein nachgeschenkt hatte und JJ wiederum nur Wasser trinken wollte, lehnte er sich gemütlich im Sofa zurück und lächelte zufrieden vor sich hin. So ließ es sich aushalten, er und JJ und ein warmes Feuer.
„Du und deine Mutter, ihr steht euch nah?“ wollte JJ wissen.
Er nickte. „Ja, ich bin mit meinen beiden Eltern sehr eng verbunden. Kommt wahrscheinlich davon, dass ich ein Einzelkind bin. Die beiden sind so ziemlich die einzige Familie, die ich hab.“
„Es gibt also keinen riesigen, weitverzweigten Rossi-Clan?“
„Nein. Irgendwo gibt’s noch ein paar entfernte Verwandte, aber niemanden, mit dem wir in engerem Kontakt stehen. Mein Vater war ebenfalls der einzige Sohn, und die Geschwister meiner Mutter sind schon lange tot. Sie hat ihren Bruder im 2. Weltkrieg verloren, und ihre Schwester starb an Krebs als ich noch ein Baby war. Ich muss dich enttäuschen, falls du einen Haufen von großspurigen und lauten Italienern erwartest.“
JJ erwiderte sein Grinsen.
„Wirklich? Wenn ich mich recht entsinne, braucht es doch sowieso nur dich, um dieser Beschreibung gerecht zu werden“, meinte sie trocken.
„Sehr witzig, Jareau.“
Er nahm einen Schluck von seinem Wein und zwinkerte ihr zu. Ihm wurde auf angenehme Weise deutlich, wie einfach sie miteinander auskamen. Er könnte sich daran gewöhnen, die Abende mit ihr vor dem Feuer zu verbringen. Niemand schaffte es so schnell, ihn zu entspannen, als JJ.
„Was ist mit deiner Familie?“ fragte er nach einem Moment der Stille.
Er wusste genau, nach allem was er sich nach Henrys Aussagen zusammenreimen konnte, dass dies kein besonders angenehmes Thema für JJ war, aber er wollte und musste hinter ihr gestresstes Verhalten kommen, er musste Bescheid wissen, um ihr helfen zu können.
Sofort wurden ihre Augen dunkel, und sie drehte sich ein wenig von ihm weg.
„Da gibt es nicht viel zu erzählen“, antwortete sie knapp.
Geduldig wartete er eine Weile, dass sie von selbst weitererzählte, als jedoch nichts kam, meinte er sanft: „Ich habs dir ja heute morgen schon gesagt, aber ich wiederhole mein Angebot gerne. Wenn du reden möchtest, ich bin für dich da.“
Wieder herrschte ein Moment des Schweigens, und Dave konnte deutlich erkennen, dass JJ mit sich selbst rang, ob sie sich ihm nun öffnen sollte, oder nicht.
„Was genau hat Henry dir denn nun gesagt“, fragte sie nach einigen Augenblicken.
„Er meinte, Will hätte ihm mitgeteilt, dass er nicht mehr sein Vater sein wolle. Und dass seine Grandma jetzt im Himmel sei.“ Dave verschwieg ihr absichtlich, dass dies der Grund war, weshalb Henry so dringend den Weihnachtsmann sehen wollte. Er war nicht sicher, ob JJ von Henrys Weihnachtswünschen wusste, und er wollte nicht, dass sie sich noch schlechter fühlte, indem er ihr von ihnen erzählte. Zunächst zumindest nicht.
JJ zuckte sichtbar zusammen, als sie seine Worte hörte. „Verdammt, LaMontagne“, murmelte sie in ihren nicht vorhandenen Bart hinein.
„Was ist zwischen dir und Will passiert?“ fragte Dave weiter.
„Er hat jemand anderes kennengelernt“, antwortete JJ schulterzuckend. „Er ist kein schlechter Mensch, Dave, er hat sich nur einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht“, fügte sie hinzu, als sie sah wie Dave die Fäuste ballte und voller Wut die Zähne zusammenbiss.
„Genau, deshalb sagt er auch seinem eigenen Sohn, dass er nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte“, schnaubte er sarkastisch.
„Ich wusste bis eben gar nichts davon. Will muss es ihm am Tag, bevor er wieder nach New Orleans gezogen ist, gesagt haben. Er wollte mit Henry noch einmal nen kleinen Spaziergang machen, um sich von ihm zu verabschieden. Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass er einem Kleinkind gegenüber so unsensibel ist.“
„Zahlt er wenigstens Unterhalt für sein Kind?“
„Ja“, nickte JJ, „und jetzt macht das auch alles einen Sinn für mich, warum er nicht wollte, dass ich mit Henry nach New Orleans runter fliege.“
Daves Wut auf Will wuchs mit jedem Wort, das JJ von sich gab, aber er wusste, dass es im Moment überhaupt nichts brachte und JJ kein bisschen weiterhalf, wenn er sich über diesen Idioten aufregte. Also atmete er einmal tief durch, um sich wieder zu beruhigen.
„Weißt du, zwischen mir und Will war eigentlich nie alles eitel Sonnenschein, aber während meiner letzten Monate bei der BAU sind wir immer auseinandergedriftet. Nicht mal meine neue Position und die eigentlich positiveren Arbeitszeiten haben mehr geholfen. Rückblickend würde ich sagen, dass wir uns im Prinzip nie so wirklich nahe waren. Zumindest ich war nie mit ganzem Herzen bei der Sache“, brach es schließlich aus JJ heraus. Sehnsuchtsvoll starrte sie in das Feuer, und Dave begann sich zu fragen, was es wohl mit ihrem letzten Satz auf sich hatte.
„Und ich denke auch, dass ein Teil von Will New Orleans nie ganz verlassen hatte. Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit, bevor wir uns sowieso getrennt hätten“, fuhr sie nach einer Minute fort. Sie drehte sich zurück zu Dave und begann die ganze Geschichte zu erzählen.
„Zwei Tage vor Thanksgiving hat er mir mitgeteilt, dass es eine andere Frau in seinem Leben gibt. Er hatte sie in New Orleans kennengelernt, als er im Oktober dort war, um Freunde zu besuchen. Er meinte, er wolle unsere Beziehung lieber beenden, bevor er mich betrügt. Innerhalb eines Tages hat er alle seine Sachen gepackt und war beinahe schon aus der Tür heraus, als ich einen Anruf von meiner Tante bekam, dass meine Mutter einen Autounfall hatte und dass es nicht gut aussah. Will blieb zunächst und fuhr mit mir und Henry nach Pennsylvania. Mom starb zwei Tage darauf. Er war mir wirklich eine große Unterstützung bei der Organisation der Beerdigung und was halt sonst noch anfiel, aber als alles vorbei war und wir wieder zurück in DC waren, war es eindeutig, dass er nur wegen seines schlechten Gewissens bei mir blieb. Es was einfach nicht richtig.“
Dave hörte ihr schweigend zu.
„Das tut mir so leid, Jen“, flüsterte er leise, als sie fertig war. Er fühlte sich hin-und hergerissen zwischen dem Verlangen sie einfach in seine Arme zu nehmen und ihr den nötigen Abstand zu gewähren, den sie im Augenblick zu brauchen schien. Als die ersten Tränen über ihr Gesicht liefen, nahm er ihre Hand und drückte sie zärtlich.
„Tut mir leid“, begann JJ sich zu entschuldigen, wischte sich die Wangen trocken und rang sichtbar um ihre Fassung. „Es ist nur, ich vermisse meine Mom so furchtbar und Henry vermisst seine Großmutter und seinen Vater und dann ist da noch -.“ Sie brach mitten im Satz ab, gerade so, als hätte sie um ein Haar ein Geheimnis verraten.
„Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, Jen“, versuchte Dave sie zu beruhigen. „Hab keine Angst einfach mal die Fassung zu verlieren. Ich bin hier und ich werde dir auch nicht von der Seite weichen. Ich werd dir da durchhelfen.“
Seine sanften Worte waren der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. JJ konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, und auch Dave zögerte nun nicht mehr und nahm sie in seine Arme. Er ließ sie keine Sekunde los, während sie sich an ihn klammerte und an seine Brust gepresst ihrer Trauer freien Lauf ließ. Es tat ihm weh, sie so leiden sehen zu müssen, und er wünschte, könnte irgendetwas tun, um ihre Schmerzen zu lindern, und sei es nur für eine kurze Weile. Aber mehr als sie festzuhalten und immer wieder beruhigend über ihren Rücken zu streicheln schien im Moment nicht möglich zu sein.
Als sie für den Moment jede Träne vergossen hatte, behielt er sie in seinen Armen, die wie für sie gemacht schienen. Noch nie hatte jemand sich perfekter in ihnen angefühlt, und er war noch nicht gewillt, dieses schöne Gefühl wieder aufzugeben.
„Ich danke dir, dass ich heute Nacht bei dir bleiben darf. Das bedeutet mir mehr, als du dir vorstellen kannst“, flüstere JJ nach einer Weile.
„Jederzeit, Sweetheart. Ich werd immer für dich da sein, hörst du? Was auch immer dich bedrückt, ich will, dass du weißt, dass du mich immer anrufen kannst, Tag und Nacht.“
JJ lehnte ihren Kopf wieder gegen seine Brust und starrte gedankenverloren vor sich hin.
„Gibts da noch was, worüber du reden möchtest?“ wollte er wissen. Ihr ganzes Verhalten sagte ihm, dass sie ihm noch nicht alles erzählt hatte.

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#5

RE: Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 02.01.2011 23:53
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Kapitel 5

Wieder saßen sie eine Weile schweigend da, und um ein Haar hätte er ihren sehr leise gewisperten nächsten Satz verpasst.
„Ich bin schwanger.“
Aber wenn er ehrlich war, wirklich überrascht war er nach dem Verlauf des Abends nicht mehr, dies zu hören. Nachdem sie wiederholt den Wein abgelehnt hatte, hatte er so etwas schon im Verdacht gehabt.
„Weiß Will davon?“
JJ schüttelte mit dem Kopf. „Nein. Ich weiß es ja selbst erst seit ein paar Tagen. In den letzten Wochen hatte ich meinen Kopf so voll mit anderen Dingen, dass ich noch nicht einmal bemerkt hatte, dass ich meine Tage nicht hatte. Ich weiß, dass es das Richtige wäre, ihn anzurufen und es ihm zu sagen, aber ich möchte nicht, dass er sich deswegen verpflichtet fühlt, zurückzukommen. Für mich ist das Kapitel Will endgültig abgeschlossen.“
„Du bist nicht allein“, bekräftigte Dave. Er hielt sie immer noch fest an sich gedrückt. Wenn es nach ihm ginge, würde er mit dem größten Vergnügen Wills Platz an JJs Seite einnehmen, als ihr Partner und als Vater für ihre Kinder. Diese Erkenntnis schockierte ihn beinahe, oder vielmehr, wie schnell sich dieser Gedanke in seinem Kopf breit machte und nicht mehr verschwinden wollte. „Ich bin mir sicher, jeder im Team würde alles tun, um dich zu unterstützen.“
„Ich weiß“, antwortete JJ leise. „Garcia ruft öfter mal an, um zu hören wie es mir geht.“
„Weiß sie Bescheid über Will und deine Mutter?“
JJ nickte. „Und bevor du fragst, ich hatte sie gebeten, es für sich zu behalten. Ihr habt doch alle mit der Arbeit schon genug zu tun und seid bestimmt froh, wenn ihr euch in eurer knappen Freizeit nicht auch noch mit den Problemen anderer herumschlagen -“
„Stop. Das ist Blödsinn, JJ, und das weißt du“, unterbrach Dave sie ruppiger als er es beabsichtigte.
„Nein, ist es nicht. Wir waren ein großartiges Team, aber im Ernst, wie viel hatten wir denn wirklich privat miteinander zu tun? Das einzige was uns verband war die Arbeit. Und im Übrigen funktioniert ihr auch gut ohne mich.“ JJ sagte es nüchtern, ohne Bitterkeit, aber Dave wollte das so nicht stehen lassen.
„JJ, du wirst immer Teil unseres Teams bleiben. Der Job funktioniert vielleicht auch ohne dich, aber das heißt nicht, dass wir alle dich nicht schmerzlich vermissen, jeder einzelne von uns. Ich vermisse dich so sehr, an jedem einzelnen Tag, den ich ins Büro komme und mal wieder feststellen muss, dass deine Versetzung nicht bloß ein böser Traum war, und ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass wir uns heute begegnet sind. Ich möchte nicht, dass nochmal drei Monate vergehen, bis wir uns das nächste Mal wieder sehen. Ich möchte für dich da sein.“
Für einige Sekunden starrte JJ ihn sprachlos an nach seinem plötzlichen Ausbruch und Dave fragte sich kurz, ob er nicht ein wenig zu weit gegangen war und ob jetzt schon der richtige Moment war, um JJ von Henrys Wünschen zu erzählen. Jedoch war ihm klar, dass er wohl keinen besseren mehr bekommen würde, und wo sie jetzt ja sowieso schon am Reden waren, war es eigentlich nur logisch alle Karten offen auf den Tisch zu legen.
„Ich möchte, dass Henry und du wisst, dass ihr nicht mehr allein seid. Weißt du, was er sich zu Weihnachten wünscht? Weshalb er Santa Claus so dringend sehen wollte?“
„Nicht wirklich. Er hat sich ziemlich bedeckt gehalten und hat nur gesagt, dass es was wirklich Wichtiges sei. Ich hab ihn halt gelassen, als er es mir partout nicht verraten wollte.“
„Er wünscht sich einen neuen Daddy, und eine Großmutter. Das hat er mir heute morgen verraten, als wir anstanden. Und offensichtlich hat Santa zu ihm gesagt, ich könnte ihm dabei helfen.“
„Dave -“ JJ richtete sich auf und wollte schon etwas dagegen sagen, als er ihr das Wort sofort wieder abschnitt.
„Hör mich erst an, okay?“
„Gut.“ Sie signalisierte ihm fortzufahren.
„Ich möchte Henry geben, was er sich wünscht. Und ich möchte auch dir alles geben, was du brauchst.“
„Dave, wovon redest du?“
„Verbringt Weihnachten mit mir und meinen Eltern, du und Henry! Ich hab da ne Idee für einen seiner Wünsche und ich möchte, dass ihr beide dabei seid, wenn Santa ihn liefert“, erklärte er mysteriös.
„Dave, du sprichst in Rätseln.“
„Vertrau mir, okay? Ich möchte jetzt noch nicht zu viel verraten. Aber es wird alles klar werden. Außerdem möchte ich nicht, dass ihr über die Feiertage alleine seid.“
Seine Hand fand wieder die ihre, und streichelte sie zärtlich, während er auf ihre Entscheidung wartete.
„Bist du dir sicher, dass es deinen Eltern nichts ausmacht, wenn plötzlich zwei Leute mehr da sind? Noch dazu wenn einer davon ein Kleinkind ist?“
„Absolut“, antwortete Dave mit felsenfester Überzeugung in der Stimme. „Sie lieben Kinder. Was glaubst du, wie oft ich mir ihr Gejammer anhören muss, dass ich ihnen noch keine Enkelkinder gemacht hab? Sie werden sich freuen, dich und Henry kennenzulernen.“
Mit einem tiefen Seufzer gab JJ im die Antwort, auf die er hoffte. „Das heißt dann wohl, dass wir kommen.“

***

Zu dritt verbrachten sie den nächsten Morgen ganz faul bei einem langen Frühstück, mit vielen Pfannkuchen und Ahornsirup für Henry, bevor JJ und Henry nach Hause gingen, um sich für die Weihnachtstage bei Daves Eltern fertig zu machen. JJ musste noch Henrys Geschenke einpacken und sie möglichst ohne von ihrem Sohn dabei beobachtet zu werden, in ihre Taschen packen, damit sie sie bei Rossis unter den Christbaum legen konnten.
Sie hatten ausgemacht, dass Dave die beiden um halb sechs abholen würde, was ihm genug Zeit gab, noch einmal ins Einkaufscenter zu fahren, um noch ein paar Geschenke für JJ und Henry zu besorgen. Am Nachmittag fuhr er dann auch noch schnell bei seinen Teamkollegen vorbei, um ihre Präsente abzuliefern. Auch seine Eltern hatte kurz angerufen und Bescheid gesagt, dass er Gäste mitbringen würde.
Seine Mutter war nicht nur äußerst überrascht, sondern platzte auch fast vor Neugier, als er ankündigte, dass einer dieser Gäste ein dreijähriger Junge sein würde. Aber er hielt sich ansonsten bedeckt und verriet nicht mehr.
Um Viertel sechs stand schließlich er vor JJs Haus.
Und plötzlich schien er tatsächlich ein wenig nervös zu werden. JJ und Henry bedeuteten ihm so viel, dass er beinahe Angst hatte, dass seine Eltern sie nicht mögen würden. Auch wenn er das für praktisch ausgeschlossen hielt. Aber noch nie war ihm der Segen seiner Eltern so wichtig wie jetzt. Und noch nie wünschte er es sich so sehr, dass eine Frau, die ihm viel bedeutete sich gut mit seinen geliebten Eltern verstand. Sein Herz sagte ihm zwar, dass er keine Zweifel haben musste, aber sein Verstand raste beinahe zu schnell, um das zu akzeptieren.
Bevor er sich jedoch selbst verrückt machte, klopfte er lieber an ihre Tür, sein Gesicht und besonders seine Augen strahlten vor Vorfreude auf die kommenden Tage. Er konnte es selbst kaum glauben, wie sehr sich sein Leben innerhalb von nur einem Tag geändert hatte und wie bereitwillig er die Veränderung akzeptierte. Endlich gab es eine reale Chance, dass seine Träume in Erfüllung gingen.
„Hey, seid ihr soweit?“ begrüßte er JJ, als sie ihm die Tür öffnete.
„Ja, fast. Ich muss nur noch schnell meine Taschen holen und dann können wir los.“
Sie bat ihn für einen Moment hinein und rief nach ihrem Sohn, bevor sie in ihrem Schlafzimmer verschwand, um ihre Sachen zu holen.
„Henry? Bist du soweit? Dave ist hier!“
Sofort kam der Junge aus seinem Zimmer gerannt und stürmte auf Dave zu.
„Mr. Dave!“ rief er begeistert aus und warf seine Arme um Daves Beine. Als er JJ gebeten hatte, ihn doch beim Vornamen zu nennen, hatte er dasselbe auch Henry gesagt, aber ganz offensichtlich schien der Kleine das noch nicht komplett verstanden zu haben.
„Glaubst du, dass Santa mir bringt, was ich mir gewünscht hab?“ wollte er von Dave wissen und schaute ihn erwartungsvoll aus seinen großen, blauen Augen an.
Wie schon am Vortag, als sie beim Weihnachtsmann anstanden, überlegte sich Dave seine Antwort genau, damit Henry am Ende nicht zu sehr enttäuscht wurde, falls irgendetwas nicht klappen sollte, so wie er es sich vorgestellt hatte.
„Weißt du, Henry, es könnte vielleicht etwas länger dauern, bis Santa dir deine Wünsche erfüllt. Das sind doch sehr große Wünsche, die kann man nicht über Nacht wahr machen. Aber ich bin mir sicher, dass sich Santa sich ganz doll bemühen wird, auch wenn du noch ein bisschen warten musst, bis du alles bekommst.“
Henry schien mit dieser Antwort, für den Augenblick zumindest, zufrieden sein, und bohrte nicht weiter. Stattdessen wollte er wissen, wo sie den nun heute hingehen würden.
„Wir werden Weihnachten mit meiner Mom und meinem Dad feiern“, sagte Dave.
„Weiß Santa, dass ich dann da sein werde?“
„Natürlich, Buddy. Santa weiß alles.“
„Okay, ich bin fertig“, rief JJ und kam mit riesigen Taschen wieder aus ihrem Schlafzimmer zurück.
„Wow, hast du vor umzuziehen?“ scherzte Dave und fing sich erst mal einen finsteren Blick von ihr ein, bis er merkte, dass er Henrys Aufmerksamkeit möglichst nicht zu sehr auf die Taschen lenken sollte. Schnell nahm er sie ihr aus der Hand und trug sie hinunter zu seinem Auto, dicht gefolgt von JJ und Henry, der zum Glück mehr mit dem Schnee und seiner allgemeinen Aufregung über das bevorstehende Weihnachtsfest beschäftigt war, um auf die Taschen zu achten.
Als sie alle im Auto saßen, warf Dave JJ noch einmal einen letzten Blick zu und war froh zu sehen, dass sie sehr entspannt und, im Vergleich zum Vortag, wesentlich glücklicher aussah.
Weihnachten konnte kommen.

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#6

RE: Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 03.01.2011 20:58
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Kurzer Hinweis: Ich hab das Kapitel 6, das ein etwas längeres war, jetzt in der deutschen Version in zwei Kapitel aufgeteilt, d.h. es gibt jetzt insgesamt acht, statt sieben Kapitel.
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Kapitel 6

Dave war kaum aus dem Auto ausgestiegen, nachdem sie vor dem Haus seiner Eltern angekommen waren, als sich die Eingangstür schon öffnete und seine Mutter im Türrahmen erschien. Er lächelte in sich hinein und winkte ihr kurz zu, als er ums Auto herumging, um JJ die Tür zu öffnen. Eigentlich hätte er wetten können, dass sie wahrscheinlich verrückt vor Aufregung um den zu erwartenden Besuch wurde, schließlich hatte er seit Jahren keine Frau mehr mitgebracht, schon gar keine, die auch noch ein kleines Kind hatte.
Henry schien ebenso ein kleines bisschen nervös zu sein, als sie den kurzen Weg bis zum Haus hinaufgingen. Er klammerte sich an Daves Hand, der ihm versicherte, dass es überhaupt keinen Grund gab, vor seiner Mutter Angst zu haben.
„Davie! Ihr seid zu spät!“ rief seine Mutter ihm entgegen, noch bevor sie den halben Weg zur Tür zurückgelegt hatten.
„Mama! Es ist jetzt fünf vor sechs! Du hast mir gesagt, wir sollen gegen sechs da sein! Was bitte ist daran zu spät?“
„Kommt rein, bevor deine Mutter verrückt wird, Davie“, hörte er die Stimme seines Vaters aus dem Inneren des Hauses rufen. Er konnte sich ein belustigtes Kopfschütteln nicht verkneifen. JJ glaubte vermutlich, dass sie alle nicht ganz dicht waren.
Innen stellte Dave als erstes einmal JJ und Henry seinen Eltern vor.
„Mama, Pop, das hier ist Jennifer Jareau, meine ehemalige Kollegin von der BAU, und der kleine Mann hier unten ist Henry, Jennifers Sohn. JJ, Henry, das sind meine Eltern, Sofia und Joe Rossi.“
„Mr. und Mrs. Rossi, es ist mir ein großes Vergnügen, Sie beide kennenzulernen!“ JJ streckte ihren Arm aus, um Daves Mutter die Hand zu geben. „Vielen Dank, dass wir heute bei Ihnen sein dürfen!“
Bevor sie jedoch wusste wie ihr geschah, hatte Sofia Rossi sie schon in einer beinahe erdrückenden, aber sehr herzlichen Umarmung an sich gezogen. Sie war eine kleine, aber sehr resolute ältere Frau Ende 70, ihre silbrig glänzenden langen Haare zu einem Knoten am Hinterkopf zusammengebunden, der in diesem Moment deutlich anzusehen war, dass sie JJ vom ersten Augenblick an in ihr Herz geschlossen hatte.
„Das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite, Ms. Jareau. Wir freuen uns wirklich sehr, Sie und Ihren Sohn über die Feiertage bei uns zu haben. Und nennen Sie mich bitte Sofia.“
„Dann nennen Sie mich bitte auch JJ.“
Obwohl JJ vermutlich sehr überrascht von der Reaktion seiner Mutter sein musste, ließ sie sich nichts anmerken, wie Dave feststellte. Er stand mit einem zufriedenen Lächeln daneben und freute sich über das warme, herzliche Willkommen, dass seine Eltern JJ entgegen brachten. Alles lief bislang genau, wie er es erwartet hatte.
Nachdem auch Joe Rossi JJ zur Begrüßung umarmt hatte und beide genauso herzlich Henry begrüßt hatten, wandten sie sich kurz ihrem einzigen Sohn zu.
In den Armen seiner Mutter, die ihn für einen Moment überhaupt nicht mehr loslassen wollte, so schien es, fühlte er sich immer noch wie ein kleiner Junge. Er genoss das aber sehr, denn wer weiß, wie lange er die beiden noch hatte. Er war unglaublich dankbar dafür, dass sie beide in ihrem Alter noch so fit und agil waren und problemlos ihren Haushalt alleine meistern konnten.
Sein Vater, quasi eine 25 Jahre ältere Version seiner selbst, hielt ihn beinahe noch länger in der Umarmung, als seine Mutter und ließ ihn erst wieder los, als Sofia sie alle aufforderte, ihr ins Esszimmer zu folgen.
„Kann ich Ihnen bei irgendetwas behilflich sein?“ wollte JJ wissen.
„Nein, meine Liebe, es ist alles fertig. Außerdem sind Sie unsere Gast heute. Davie kann mir helfen, das Essen hereinzubringen.“
Sie huschte in die Küche, dicht gefolgt von ihrem Sohn, und als sie wieder zurückkamen, glaubte JJ ihren Augen kaum zu trauen, als sie den riesigen Haufen an überaus lecker aussehenden Gerichten sah.
„Mama, wer soll das denn eigentlich wieder alles essen?“ fragte Dave. Er stellte dieselbe Frage jedes Jahr, und jedes Jahr bekam er auch dieselbe Antwort.
„Es ist Weihnachten, Davie, und wir haben die ganze Nacht und den ganzen Tag morgen Zeit dafür.“
Das Abendessen selbst war noch schöner, als Dave es sich vorher vorgestellt hatte. Nicht nur, dass seine Eltern wirklich alles taten, um es JJ und Henry bei ihnen so gemütlich wie möglich zu machen, auch JJ und Henry selbst schienen sich vom ersten Moment an wie zuhause zu fühlen, und das erfüllte ihn mit großer Freude.
Und überhaupt, Henry. Der Junge hatte die Herzen seiner Eltern im Sturm erobert. Innerhalb kürzester Zeit waren sie vollkommen vernarrt in den Kleinen, und nachdem Henry seine anfängliche Schüchternheit überwunden hatte, schien er genauso verrückt nach ihnen zu sein, wie sie nach ihm.

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#7

RE: Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 04.01.2011 03:59
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

Kapitel 7

„Sie ist es, hab ich recht?“ fragte Sofia ihren Sohn, als sie nach dem Abendessen gemeinsam den Abwasch machten. „Diejenige, die dir pausenlos im Kopf herumspukt.“
Dave nickte. „Ja, das ist sie.“
„Wirst du um ihre Hand anhalten?“
„Mama, wir sind ja noch nicht einmal zusammen!“
„Ich mein ja nur, Davie. Lass sie bloß nicht mehr entkommen. Sie tut dir gut, das kann ich deutlich sehen.“ Es war sehr schwer gegen seine Mutter anzukommen, wenn sie eine derartige Entschlossenheit in der Stimme hatte.
„Das tut sie. Aber ich weiß ja noch nicht einmal, ob sie mich auch will“, versuchte er es trotzdem.
„Natürlich will sie dich! Das ist doch offensichtlich. Sie hat den gleichen verträumten Blick in den Augen wie du, wenn sie dich ansieht.“
„Trotzdem, ich muss das ganze langsam angehen, okay? Sie macht grad ne schwere Zeit durch. Ihre Mutter ist vor ein paar Wochen gestorben, kurz nachdem Henrys Vater sie verlassen hat. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass eine neue Beziehung das letzte ist, was sie im Moment im Kopf hat. Es gibt da aber etwas, worüber ich mit dir reden möchte.“

***

Währenddessen saßen JJ und Joe Rossi gemütlich auf der Wohnzimmercouch, und JJ lauschte mit großer Aufmerksamkeit und Begeisterung den Geschichten, die Joe über Daves Schandtaten während seiner Kindheit erzählte, während Henry sich zu ihren Füßen mit seinen mitgebrachten Spielsachen beschäftigte.
„Einmal an Weihnachten, Davie muss wohl so fünf oder sechs gewesen sein, ist er mitten in der Nacht aufgestanden und ins Wohnzimmer gegangen, um nachzusehen, ob Santa Claus bereits gekommen war, was selbstverständlich der Fall war.“ Joe zwinkerte JJ amüsiert zu. „Dann war er jedoch so neugierig auf seine Geschenke, dass er jedes einzelne Päckchen, das unter dem Baum lag, schon mal öffnete und hineinschaute. Hinterher klebte er das Geschenkpapier wieder zu und ging wieder ins Bett, aber natürlich waren die Päckchen dann alle nicht mehr so ordentlich eingepackt wie zuvor, und meine Frau und ich merkten am Morgen sofort, was vorgefallen war.“
JJ konnte nicht mehr an sich halten und lachte laut los.
„Das ist typisch Dave.“
„Was ist denn so lustig?“ fragte dieser, als er in diesem Moment mit seiner Mutter das Wohnzimmer betrat.
„Ach, dein Dad berichtet gerade im Detail darüber, was für ein Lausbub du als Kind gewesen bist.“
„Tut er das? Glaub bloß kein Wort, von dem was er erzählt. Ich war immer ein liebes und braves Kind, das nie irgendwas angestellt hat.“
„Das hättest du wohl gerne“, warf seine Mutter trocken ein und lächelte ihren Sohn zärtlich an. Sicher war er ein ziemlicher Racker gewesen, wie wohl fast alle Jungs, aber eines musste sie ihm lassen: er war nie respektlos ihr oder ihrem Mann gegenüber gewesen, selbst in seiner schlimmsten pubertären Phase nicht.

***

Den Rest des Heiligen Abends verbrachten sie mit Kartenspielen, oder ließen sich alle von Henry beim Memory schlagen, und redeten und lachten miteinander, bis Henry von der Müdigkeit überwältigt wurde und auf dem Fußboden einschlief.
Dave und seine Eltern hatten darauf bestanden, dass JJ und Henry das Gästezimmer in Beschlag nehmen sollten, während er auf der Couch im Wohnzimmer schlafen würde. Das hatte dazu geführt, dass Dave Henry versprechen musste, Santa an seine allerwichtigsten Wünsche zu erinnern, sollte er aufwachen, wenn dieser die Geschenke brachte.
Nachdem sie Henry ins Bett gebracht hatten, fand Dave, dass es an der Zeit war, JJ von seinem Vorhaben zu erzählen. Zum Glück hatte er seine Mutter an seiner Seite, die überglücklich über den Vorschlag ihres Sohnes gewesen war, den er ihr vorher in der Küche unterbreitet hatte.
„JJ, es gibt da etwas, worüber meine Mutter und ich mit dir sprechen wollen“, begann er vorsichtig.
JJ selbst hatte sich schon den ganzen Abend darüber gewundert, warum Dave und Sofia so geheimnisvoll taten. Sie wusste, dass die beiden irgendetwas im Schilde führten, und war gespannt, was es war.
„Es geht um Henrys Weihnachtswünsche, von denen ich dir gestern erzählt habe.“
„Davie hat mir das von Ihrer Mutter gesagt, JJ. Mein aufrichtiges Beileid“, fuhr Sofia fort und nahm JJs Hand als eine Art tröstende Geste. „Nach allem was Davie mir erzählt hat, hat Henry seine Großmutter wohl sehr geliebt und vermisst sie schmerzlich. Nun, ich möchte auf keinen Fall ihre Mutter ersetzen, das könnte ich auch überhaupt nicht, aber Davie und ich haben uns gefragt, ob Sie es vielleicht erlauben würden, dass ich Henry ab und zu besuche, oder er mich, und dass ich Ihnen helfe mit ihm, falls Sie mich brauchen“, erklärte sie.
Überrascht von dem unerwarteten Angebot, starrte JJ die beiden erst einmal einen Augenblick lang sprachlos an, und wusste nicht so recht, wie sie darauf reagieren sollte.
„Ich...ich weiß nicht -“ stammelte sie zögerlich.
„Das wäre die perfekte Lösung, Jen, und Henry würde zumindest einen seiner Wünsche erfüllt bekommen“, meinte Dave.
JJ schaute von Dave zu seiner Mutter und dann zu seinem Vater, der genauso überrascht schien, wie sie selbst, und bemerkte, dass es ihnen vollkommen ernst mit ihrem Vorschlag war.
„Henry könnte eine Großmutter und einen Großvater bekommen. Das wäre sogar mehr, als er sich wünschte“, fügte Dave hinzu.
Es war JJ deutlich anzumerken, wie sehr sie mit sich rang, ob sie das Angebot annehmen sollte, oder nicht.
„Wissen Sie, JJ, ich würde das wirklich gerne für Sie und Henry tun. Joe und ich haben uns immer Enkelkinder gewünscht, aber leider hat unser Sohn uns bislang keine geschenkt. Es wäre mir eine wirklich große Ehre, und ich bin mir sicher, für Joe ebenso, wenn wir diese Rolle für Henry übernehmen könnten. Das würde uns sehr viel bedeuten“, versuchte Sofia sie zu überzeugen.
Dave sah genau, wie JJs Widerstand sich langsam auflöste, aber er wollte auch nicht, dass sie sich zu irgendetwas gezwungen fühlte.
„Jen, dieses Angebot kommt wirklich von Herzen, aber ich möchte dich auch nicht in irgendetwas hineindrängen, verstehst du? Du musst dich nicht verpflichtet fühlen es anzunehmen, wenn es dir unangenehm ist, oder zu schnell geht.“
„Ich habe nur Angst, dass Henry meine Mutter vergessen könnte“, antwortete JJ vorsichtig.
„Machen Sie sich darüber bitte keine Sorgen, JJ“, versuchte Sofia sie zu beruhigen, „das würde ich auch nicht wollen. Ich möchte Ihre Mutter nicht ersetzen, und ich verspreche Ihnen, dass ich alles tun würde, um Henrys Erinnerungen an seine Großmutter am Leben zu erhalten.“
JJ fühlte, wie ihr plötzlich ein großer Stein vom Herzen fiel, und dass sie nach all den Wochen der Trauer und Verzweiflung endlich wieder Luft zum Atmen bekam. Dave und seine Eltern, so wie sie sie an diesem Abend kennengelernt hatte, schienen genau das zu sein, was sie in ihrem Leben dringend brauchen konnte, eine Familie, die jederzeit füreinander da war.
Lange musste sie nun nicht mehr überlegen, bis sie ihre Entscheidung fällte.
„Also gut, unter einer Bedingung. Wir fragen erst Henry, was er möchte, okay?“
Dave lächelte sie glücklich an und umarmte sie kurz. „Selbstverständlich.“

***

Sie unterhielten sich noch eine Weile, und JJ durfte feststellen, dass es ihr noch nie so leicht gefallen war, sich anderen Menschen zu öffnen und ihnen zu vertrauen. Sie fühlte sich schnell bestärkt in der Überzeugung, das Richtige für sich und ihren Sohn zu tun.
Nachdem Sofia und Joe schließlich zu Bett gegangen waren, um Dave und JJ noch ein wenig Zeit für sich allein zu gönnen, und ihnen die Möglichkeit zu geben, Dinge zu besprechen, über die sie in ihrer Anwesenheit vielleicht nicht sprechen würden, genossen die beiden für einen Moment die angenehme Ruhe.
Nach ein paar Minuten wandte sich JJ schließlich Dave zu.
„Warum tust du das alles?“ wollte sie von ihm wissen.
Für Dave war klar, dass JJ es verdiente die ganze Wahrheit zu erfahren, aber ein wenig hatte er auch Angst davor sie zu verschrecken, wenn er ihr von seinen Gefühlen erzählte. Er atmete einmal tief durch, und beschloss, das Risiko einzugehen.
„Weil ihr mir beide wichtig seid, du und Henry. Ich möchte, dass ihr glücklich seid, und ich werde alles mir in der Macht stehende tun, das zu erreichen.“
„Es geht dir dabei um mehr als nur Freundschaft, hab ich recht?“
„Ja“, antwortete er ehrlich. „Ich möchte dich aber zu nichts zwingen. Wenn deine Freundschaft alles ist, was du mir geben kannst und möchtest, dann werde ich das bereitwillig akzeptieren. Du hast mir immer schon mehr bedeutet, als ein rein freundschaftlich-kollegiales Verhältnis. Vom dem Moment an, als ich dich zum ersten Mal traf, wusste ich, dass du etwas ganz Besonderes bist. Ich würde niemals etwas tun, das dich verletzt.“
JJ lächelte ihn sanft an.
„Es klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich habe es immer gespürt“, gab sie zu. „Um ehrlich zu sein, bist du nicht der einzige mit tieferen Gefühlen. Ich habe es eine ganze Zeit lang erfolgreich geschafft, sie zu verdrängen und zu ignorieren als ich noch im Team war, aber als ich euch dann verlassen hatte und es mit meiner Beziehung mit Will immer weiter bergab ging, wurde das immer schwerer. Erinnerst du dich noch, als du mich einmal angerufen hattest? Ein paar Wochen nach meiner Versetzung?“
Dave nickte.
„Ich hab ich angelogen, damals am Telefon. Es gab nie einen Arzttermin mit Henry. Ich war in dem Moment so glücklich, deine Stimme zu hören, und gleichzeitig fühlte ich mich so schuldig Will gegenüber, und ich wusste, ich würde nicht nein sagen können zu dir, wenn wir uns getroffen hätten. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, ich könnte irgendwie meine Beziehung noch retten. Und die einzige Chance sah ich darin, dich aus meinem Leben herauszuhalten“, erklärte sie ihm aufrichtig. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie leid es mir tut, dich so behandelt zu haben.“
Ihre ehrlichen Worte ließen Daves Herz schneller schlagen als je zuvor. Endlich war die Chance alles zu bekommen, was er immer schon wollte, zum greifen nah.
„Da gibt es nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, Jennifer“, sagte er ihr in sanftem aber bestimmten Ton. "Ich weiß, dass du nur das getan hast, was du für das Beste für dich und Henry hieltst. Ich hoffe nur, dass du mir eines Tages eine Chance gibst, euch zu beweisen, dass ich das allerbeste für euch beide sein kann.“
JJs Augen weiteten sich vor Erstaunen, als ihr klar wurde, was er in seinen Worten implizierte.
„Du bist bereit den Platz als Henrys Vater einzunehmen?“
Dave nickte wieder.
„Was soll ich sagen? Santa hatte wohl recht, als er Henry sagte, ich könne ihm mit seinen Wünschen helfen.“

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#8

RE: Feels Like A Change Is Gonna Come - Deutsch / JJ/Rossi

in Fanfiction deutsch 06.01.2011 00:26
von VanInBlack • 1.856 Beiträge

So, hier nun das letzte Kapitel. Ich hoffe, dass euch auch das noch gefällt, es wird nämlich sehr kitschig . Aber da es ja eine Weinachtsgeschichte ist, war es ja klar, dass es nur ein Happy End geben konnte!
Viel Spaß beim Lesen, und vielen Dank für das liebe Feedback bisher!

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Kapitel 8

Ein Jahr später

„Wie sieht's aus Henry, bist du soweit, deine Geschenke zu öffnen?“ JJ hätte gar nicht zu fragen brauchen. Ihr Sohn saß schon – in seinen Augen – eine Ewigkeit vor dem Weihnachtsbaum und wartete ungeduldig darauf, dass die Erwachsenen es ihm gleich taten, und sich im Wohnzimmer versammelten. An Frühstück war an diesem Weihnachtsmorgen überhaupt nicht zu denken gewesen.
Dave ließ sich auf seinem Lieblingssessel nieder, und JJ machte es sich auf dem Schoß ihres Ehemannes bequem und schmiegte sich in seine Umarmung, während Daves Eltern auf dem Sofa Platz nahmen, seine Mutter mit Baby Samuel auf dem Arm, der ihnen allen eine Riesenfreude bereitete, seit er vor vier Monaten die Familie vergrößert hatte.
„Darf ich Sammy helfen bei seinen Geschenken?“ fragte Henry, der ebenso einen Narren an seinem kleinen Bruder gefressen hatte.
Seit er erfahren hatte, dass er ein Geschwisterchen bekommen würde, wich er seiner Mutter keine Sekunde mehr von der Seite und schien vor Aufregung beinahe zu platzen. Es gab Momente, da legte er einen überbeschützenderen Instinkt an den Tag als Dave, und das wollte etwas heißen. Von dem Moment an, da die ersten Tritte des Babys in JJs Bauch zu spüren waren, hing er praktisch nur noch an ihr und „unterhielt“ sich mit seinem kleinen Bruder. Jeden Morgen gab es einen Kampf, wenn er in den Kindergarten musste, und er weigerte sich am Abend schlafen zu gehen, bevor er nicht gute Nacht gesagt hat. Als er sich schließlich mit Dave zusammenschloss - in JJs Augen kam das fast einer Verschwörung gleich - und sie beide JJs Arbeitszeiten und anderes in Frage stellten, drehte sie beinahe durch.
Sie konnte überhaupt nicht beschreiben, wie froh sie war, Daves Mutter zu haben. Sofia war ihr Zufluchtsort, wann immer ihr Dave und Henry zuviel wurden.
„Natürlich darfst du ihm helfen, Buddy“, meinte Dave. Er konnte kaum glauben, welch ein ungeheures Glück er hatte, als er Henry dabei zusah, wie er mit einer unheimlichen Begeisterung seine und Samuels Weihnachtsgeschenke öffnete. Endlich hatte er das, wonach er sich sein ganzes Leben lang gesehnt hatte – eine eigene Familie, mit der Frau, die er mehr liebte als alles andere auf der Welt.
Den Heiratsantrag hatte er JJ gemacht, als sie mit Samuel in den Wehen lag, Momente bevor der Kleine das Licht der Welt erblickte, und genaugenommen konnte er nun froh sein, noch am Leben zu sein. Wenn Blicke töten könnten, hätte JJ das in diesem Augenblick getan mit dem Blick, den sie ihm zuwarf. Auch seine Mutter brachte ihr Missfallen über die Unangemessenheit der Situation, die ihr Sohn für den Antrag wählte, deutlich zum Ausdruck, als sie im Anschluss davon erfuhr. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte er JJ schon Monate zuvor die alles entscheidende Frage gestellt. Und zwar in einer deutlich romantischeren und passenderen Umgebung. Sein einziges Glück, war, dass JJ, sobald sie ihren zweiten Sohn im Arm gehalten hatte, überglücklich akzeptierte.
Nur die Hochzeit an Thanksgiving machte alles noch perfekter, als es schon war. JJ hatte es sich gewünscht, an diesem Tag zu heiraten, in Erinnerung an ihre Mutter, die sie immer noch schmerzlich vermisste. Daran konnte auch Sofia nichts ändern, die ihr im Laufe des Jahres nicht nur zu einer Freundin, sondern auch zu einer Art Ersatzmutter geworden war.
„Schau, Mommy! Sammy hat ein Bilderbuch bekommen! Damit kann ich ihm neue Geschichten erzählen!“ rief Henry plötzlich voll Begeisterung aus, und nur einen Moment später formten seine Lippen ein großes 'O' und seine Augen weiteten sich vor Erstaunen, als er einen kleinen Weidenkorb öffnete, der nur mit einer roten Schleife am Henkel versehen war.
„Ein Hund!“ flüsterte er ungläubig, ganz so als könnte er seinen Augen kaum trauen. „Ein echter, kleiner Hund!“
Dave und JJ tauschten ebenfalls erstaunte Blicke aus, und wandten sich dann Sofia und Joe zu.
„Ma, Pop, ich dachte, wir hätten darüber gesprochen, dass es dieses Jahr noch keinen Hund gibt?“ schimpfte Dave leise mit seinen Eltern.
„Ach, jetzt hab dich nicht so“, tat seine Mutter das Ganze mit einer wegwerfenden Handbewegung ab, „du weißt doch, dass es sein größter Wunsch dieses Jahr war.“
„Na, meinetwegen“, gab Dave nach, während JJ leise in sich hineinkicherte. „Aber eines sag ich dir. Sollte dieses kleine Fellknäuel auch nur daran denken an meinen Schuhen zu kauen, oder in unser Bett zu pinkeln, dann bleibt er bei dir und Pop.“
Der Welpe, der bislang friedlich in dem Körbchen geschlafen hatte, steckte nun neugierig den Kopf heraus und leckte sofort über Henrys Hand, was dem Jungen ein amüsiertes Kichern entlockte.
„Ich nenne dich Nick!“ gab er feierlich bekannt.
„Wieso denn Nick?“ wollte JJ wissen.
„Naja, Grandpa hat mir erzählt, dass das ein anderer Name von Santa Claus ist. Und ich will ihn nach Santa nennen, weil Santa bis jetzt immer alle meine größten Wünsche erfüllt hat“, erklärte er ernsthaft.
Die Erwachsenen lächelten sich gegenseitig an. Manchmal war es wirklich erstaunlich, wie verständig der Kleine in seinem Alter doch schon war.
„Weil wir gerade bei deinen größten Wünschen sind, Henry“, warf Dave ein und räusperte sich mit wichtiger Miene, „ich hab da noch etwas für dich.“ Er reichte ihm einen einfachen, weißen Briefumschlag, den Henry erst einmal ein wenig verständnislos anschaute, und nicht genau wusste, was er damit anfangen sollte. Daves Eltern schienen ebenfalls ein wenig verwirrt zu sein. Nur JJ grinste wissend.
„Na los, öffne ihn.“
Henry zog vorsichtig die Lasche des Umschlags auf und nahm das Blatt Papier, das sich darin befand, heraus.
„Was ist das?“ fragte er neugierig. Er sah, dass da viele Wörter und Buchstaben darauf standen, aber er konnte ja noch nicht lesen, und wusste daher nicht, was es bedeutete. „Liest du es mir vor?“
„Na klar. Komm her, Buddy.“
JJ stand von Daves Schoß auf, setzte sich neben ihre Schwiegereltern auf das Sofa, und Dave half Henry hoch, damit er den Platz seiner Mutter einnehmen konnte.
„Okay. Erinnerst du dich daran, wie Mommy und ich dich gefragt haben, ob es für dich okay ist, wenn ich dein Daddy werde?“
Henry nickte eifrig. An den Moment konnte er sich noch gut erinnern, und auch Daves Erinnerung ließ ihn vor Stolz und Liebe für den Jungen anschwellen.
Inoffiziell war er jetzt bereits seit einiger Zeit Henrys Vater, seit Henry ihn unbewusst mit „Daddy“ angesprochen hatte, als die drei im Frühling einen kurzen Urlaub im Disneyworld in Florida verbracht hatten. Henry war gerade in einem Karussell gesessen und hatte ihm und JJ, die außen standen, aufgeregt zugewunken und ihnen zugerufen, ihm zuzuschauen. Dave war anfangs beinahe zu geschockt gewesen, um die richtigen Worte zu finden, während ihm die Tränen in die Augen stiegen und JJ, die in diesem Augenblick mindestens genauso glücklich war wie er, hatte schnell reagiert und die ganze Szene mit der Kamera festgehalten. Als die Fahrt zu Ende war, kam Henry ganz begeistert wieder auf sie zugestürmt und Dave hob ihn erst einmal in seine Arme und wollte ihn überhaupt nicht mehr loslassen.
Sie hatten sich nämlich beide im Vorfeld darauf geeinigt, Henry soviel Zeit wie nötig zu geben, um sich an Dave zu gewöhnen, und Dave selbst hatte Henry nie darum gebeten, ihn „Daddy“ zu nennen, sondern es ihm freigestellt, ihn so zu nennen wie er möchte, was bis zu diesem Zeitpunkt einfach sein Vorname gewesen war.
Nach Samuels Geburt hatte JJ nicht eine Sekunde lang gezögert, Daves Namen auf der Geburtsurkunde anzugeben – genauso wenig wie Dave selbst – und sie hatten beide begonnen darüber zu reden, dass Dave Henry auch formal adoptieren sollte.
„Ich weiß, dass ich für dich schon die ganze Zeit dein Daddy bin, aber dieses Papier hier macht das ganze offiziell. Die ganze Welt kann nun lesen, dass du jetzt offiziell ein Rossi bist.“
Henrys Augen leuchteten auf.
„Wirklich?“
„Wirklich“, bestätigte Dave. Er zog den Kleinen enger an sich, so dass er sich gegen ihn lehnen konnte, und nahm das Papier in die eine Hand, so dass sie beide darauf schauen konnten, während er mit dem Zeigefinger der anderen Hand zur Unterstützung auf alles deutete, was er vorlas.
„Siehst du, das hier ist deine neue Geburtsurkunde. Jeder Mensch hat so eine. Sie ist das wichtigste Papier auf der Welt, weil sie jedem zeigt, wer du bist und wer deine Eltern sind, und niemand kann dagegen etwas sagen. Schau her.“
Henrys Augen folgten Daves Finger aufmerksam.
„Hier steht dein Name, Henry Alexander Rossi, geboren am 12. November 2007. Hier, in der nächsten Zeile, wo es 'Mutter' heißt, da steht Jennifer Anne Rossi, geborene Jareau. Das ist deine Mom. Und gleich neben dem Namen deiner Mom, hier unter 'Vater', da steht mein Name, David Joseph Rossi. Das bedeutet, dass von nun an, es niemand mehr ändern kann, dass ich dein Daddy bin.“
„Also, wenn die Leute meinen Namen wissen wollen, dann kann ich jetzt immer Henry Rossi sagen?“ fragte Henry und drehte seinen Kopf, um Dave anzusehen.
„Jep“, bestätigte dieser.
Henry nickte, und verfiel in einen Moment des Schweigens. Er musste alles, was er eben gehört hatte, erst einmal sacken lassen.
JJ, Sofia und Joe hatten Tränen in den Augen, während sie die Szene aufmerksam beobachteten.
„Wann habt ihr die Papiere bekommen?“ wollte Joe von JJ wissen. Er sprach bewusst leise, um den Vater-Sohn-Moment nicht zu stören.
„Sie sind vor zwei Tagen angekommen“, antwortete JJ, „Dave und ich könnten nicht glücklicher sein.“
„Da seid ihr nicht die Einzigen, das ist so wunderbar für uns alle“, meinte Sofia, „seht!“
Ihre Augen richteten sich wieder auf Dave und Henry. Der Junge hatte sich nun ganz auf Daves Schoß umgedreht und schlang seine Arme um den Hals seines Vaters, der ihn eng an sich zog und festhielt.
„Ich hab dich lieb, Daddy“, flüsterte Henry und vergrub sein Gesicht in Daves Hals.
„Ich dich auch, mein Sohn“, antwortete er heißer, während auch ihm Tränen der Freude über die Wangen liefen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Henry seinen Daddy schließlich wieder losließ, und sich wieder mit seinen anderen Weihnachtsgeschenken zu beschäftigen begann, besonders mit seinem kleinen Hund, den nicht nur er, sondern die ganze Familie sofort ins Herz schloss, als sie sahen, wie glücklich der Junge mit dem Welpen herumtollte.
Die vier Erwachsenen waren sich einig, dass sie noch nie in ihrem Leben ein tolleres Weihnachten erlebt hatten, und wenn man jeden von ihnen fragte, ob sie an den Weihnachtsmann glaubten, würde man von allen ein überzeugtes Ja zur Antwort bekommen, denn er hat ihr Leben von Grund auf verändert und auf den Kopf gestellt, und es besser gemacht, als sie es sich je hätten vorstellen können.
„Wisst ihr, was ich mir nächstes Jahr von Santa wünsche?“ verkündete Henry feierlich im Laufe des Tages.
„Eine kleine Schwester.“

Ende

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